Wien. (sf) Unter Österreichs Top-Marken haben heuer die Banken stark an Wert verloren. "Die Banken sind in einer Vertrauenskrise", sagt Gerhard Hrebicek, Vorstand des European Brand Institute. Raiffeisen hat gegenüber dem Vorjahr 22,5 Prozent seines Markenwertes eingebüßt und rutschte vom dritten auf den fünften Platz der teuersten österreichischen Unternehmen, wie die österreichische Markenwert-Studie 2012 ergeben hat. Die Erste Bank hat 31,4 Prozent des Markenwertes verloren und steigt von Rang acht auf Rang neun ab. Durch den Wertverlust bei Finanzinstituten sind die Top-Ten-Marken in Österreich insgesamt 32,7 Milliarden Euro wert - rund eine Milliarde oder 3,1 Prozent weniger als im Vorjahr.

Red Bull ist 10 Milliarden mehr wert als der Zweite

An der Spitze liegt weiterhin unangefochten Red Bull - das Salzburger Unternehmen hat dazugewonnen und ist nun fast 14 Milliarden Euro wert, rund 10 Milliarden mehr als der Kristallkonzern Swarovski aus Platz zwei. "Red Bull spielt als einzige österreichische Marke in der Europaliga", sagt Hrebicek. Aktivitäten des Energydrink-Herstellers, die nicht in seinen Kernbereich fallen - etwa in der Formel 1 oder im Medienbereich - machen laut European Brand Institute rund ein Drittel des Markenwertes aus.

Die Telekom Austria habe durch negative Berichterstattung rund um die Telekom-Affäre zwar 23 Prozent an Wert eingebüßt, die Zusammenführung der Bereiche Festnetz und Mobilfunk im Vorjahr sei aber gut gelungen, sagt der Sachverständige für Marken- und Patentbewertung.

Aufsteiger in den Top Ten sind die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die zehn Prozent zulegten. In absoluten Zahlen gesehen, kann allerdings Red Bull mit 527 Millionen Euro am kräftigsten dazugewinnen.

OMV löst Vienna Insurance Group auf Platz zehn ab

Erstmals unter den zehn teuersten Marken vertreten ist der Ölkonzern OMV, der die Vienna Insurance Group (VIG) vom zehnten Platz verdrängt.

"Industrieunternehmen zeigen verstärkt Markenbewusstsein", sagt Hrebicek. Derzeit machen in der Industrie Marken nur zwölf Prozent des Unternehmenswertes aus, im Luxussegment sind es sogar 70 Prozent. Durchschnittlich entfallen 40 Prozent des Firmenwertes auf die Marke.

"2011 hat es in Österreich so viele Gerichtsverfahren wie noch nie gegen bekannte Unternehmen gegeben", sagt Gerald Ganzger von der Kanzlei Lansky, Ganzger & Partner. Firmen von Buwog über Bawag bis Hypo Alpe Adria haben Gerichtsverfahren einen Namen gegeben - "das beeinflusst das Vertrauen der Bevölkerung in große Marken", sagt der Rechtsanwalt. Firmen müssten die Vergangenheit aufklären und nicht versuchen, sich "drüberzuwursteln".