Wien. Obama steht derzeit bei 99, Justin Bieber bei 92, und wo stehen Sie? Die Rede ist vom sogenannten Klout Score, der angeblich Einfluss und Intensität der Vernetzung eines Nutzers in den sozialen Netzwerken misst. Wer unter 30 Punkten dümpelt, sollte demnach netzwerktechnisch einen Zahn zulegen, ab 60 Punkten gilt man in der Online-Community hingegen als einflussreich. Und mit einem Score wie Obama gehört man zur absoluten Internet-Elite.

Recruiting-Instrument

In den USA kann die Höhe des Klout Scores mittlerweile darüber entscheiden, ob man einen Job bekommt oder nicht. "Den Klout Score als Recruiting-Instrument zu verwenden kann in gewissen Branchen Sinn machen", sagt Christina Hagenauer, Mitarbeiterin der auf Social-Media-Monitoring spezialisierten Salome Media GmbH in Wien. "In Bereichen wie Marketing und Social Media liegt der Vorteil darin, dass man bei einem Bewerber mit hohem Klout Score auf den ersten Blick sehen kann, dass dieser einen gewissen Online-Einfluss hat und Leute begeistern kann."

Errechnet wird der Score vom US-Onlinedienst Klout, der seine Informationen vor allem von Plattformen wie Facebook, Twitter, Google+ oder LinkedIn bezieht. Aus der Anzahl der Follower, der Kommentare oder Retweets eines Users wird ein Punktestand von eins bis hundert errechnet.

"In Österreich spielt der Klout Score im Recruiting noch keine große Rolle", sagt Hagenauer. "Von einigen Social-Media-Agenturen in Deutschland ist bekannt, dass sie bei ihren Bewerbern Wert auf einen hohen Klout Score legen. Das ist aber - vor allem im Vergleich zu den USA - kaum nennenswert." Kritiker bezweifeln überdies, dass der Score tatsächlich Auskunft über den Einfluss eines Social-Media-Nutzers gibt. "Der Nachteil des Klout Scores liegt darin, dass es eine rein quantitative Messung des Einflusses von einzelnen Nutzern ist", so Hagenauer.

Das tut der Rating-Wut freilich keinen Abbruch, und so haben sich neben Klout bereits weitere Social-Media-Ratingagenturen wie Peerindex und Kred etabliert. In den USA ist der Klout Score außerdem längst auch ein Marketing-Instrument. Menschen mit hohen Scores werden mit sogenannten "Klout Perks" belohnt. Ab einer gewissen Punktezahl bekommen sie Rabatte in Onlineshops, ein Upgrade beim Hotelzimmer oder dürfen als Erste neue Red-Bull-Drinks für den US-Markt verkosten. Um dann fleißig zu twittern und zu posten, welche Geschmackrichtung am leckersten war.

"Dass Klout im Gegensatz zu Peerindex oder Kred Profile von Twitter-Usern anlegt, ohne sie vorher um Zustimmung zu fragen, ist datenschutzrechtlich äußerst bedenklich", kritisiert Philipp Hochstöger, Mitarbeiter der Arge Daten. Oft wissen die Betroffenen nicht einmal, dass derartige Dienste existieren. Und trotzdem ist das Ranking legal. "Laut Datenschutzgesetz 2000 (DSG 2000) sind allgemein verfügbare Daten einem Geheimhaltungsanspruch nicht zugänglich und deshalb nicht schutzwürdig", erklärt Hochstöger. "Da es sich bei Faktoren wie Anzahl der Follower auf einem Twitter-Account um allgemein verfügbare Daten handelt, dürfen Klout und Co diese Daten verwenden, ohne gegen das DSG 2000 zu verstoßen."

Obwohl die EU-Datenschutzrichtlinie den Begriff der allgemein verfügbaren Daten nicht kennt, hat ihn der österreichische Gesetzgeber im DSG 2000 normiert, sodass diese nicht mehr dem Schutzbereich des DSG 2000 angehören. Hochstöger: "Dies führt dazu, dass ohne jede datenschutzrechtliche Einschränkung mit diesen Daten verfahren werden darf."

Aktiv abmelden

Eine Forderung der Datenschützer lautet daher: Allgemein verfügbare Daten sollten zumindest einem Mindestschutz unterliegen, damit Klout & Co nicht wahllos damit umgehen dürfen. "Da sowohl in der angedachten Datenschutz-Grundverordnung als auch in der EU-Richtlinie 95 der Begriff der frei verfügbaren Daten fehlt, darf man auf eine Besserung in diesem Bereich hoffen", ist Hochstöger zuversichtlich.

Derzeit gibt es nur wenige Möglichkeiten, dem Ranking zu entgehen. "Da Klout den Wert aller Nutzer sozialer Netzwerke automatisch errechnet, muss man sich aktiv abmelden", betont Hagenauer. Und Datenschützer Hochstöger rät, die eigenen Posts und das Profil auf Facebook & Co möglichst nur für befreundete Personen freizugeben. "Dann gelten die Daten nicht mehr als allgemein verfügbar und dürfen auch nicht von solchen Diensten verwendet werden."