Wien. Wieder einmal ein Meeting vorüber, in dem man nicht zu Wort gekommen ist? Introvertierte Menschen tun sich oft schwer damit, sich im Berufsleben zu behaupten. "Unsere Gesellschaft ist auf Extrovertierte ausgerichtet: Wer sich gut inszenieren kann, kommt weiter", sagt Sichtbarkeits-Coach und Buchautorin Natalie Schnack. Im Job geht es darum, positiv aufzufallen und seine Leistungen und Fähigkeiten zu präsentieren - was aber, wenn das einem unangenehm oder peinlich ist?

Karrierefallen vermeiden

Tatsächlich bremsen sich zurückhaltende Menschen oft selbst aus, sagt Schnack. Leisten diese Beschäftigten gute Arbeit, sehen sie das als selbstverständlich an und hängen es nicht an die große Glocke. Ein Fehler: "So bleiben die Leistungen unsichtbar", sagt die Autorin, die in ihrem Buch "Leise überzeugen" Tipps gibt, wie Introvertierte ihren Weg zu mehr Präsenz finden.

Introvertierte sollten nicht erwarten, dass andere ihre Leistungen bemerken, sondern selbst Verantwortung übernehmen, damit andere über die geleistete Arbeit erfahren. Etwa, indem man den Chef regelmäßig über erledigte Aufgaben und deren Nutzen für die Firma und Kunden informiert. "Es geht nicht darum, sich einzuschleimen oder anzubiedern", betont Schnack. Findet ein Mitarbeiter mit seinen Vorschlägen in Meetings regelmäßig kein Gehör, sollte er sich mit einem Einwurf wie "Moment, ich habe noch nicht ausgesprochen" wehren.

Oft stecke hinter der Zurückhaltung das Problem, dass sich ein Mitarbeiter mit dem Gesprächspartner nicht auf Augenhöhe sieht und das dem Gegenüber auch mit seiner Körpersprache signalisiert. Introvertierte sollten nicht in die Vergleichsfalle tappen und sich den Besten unterlegen fühlen, sondern sich ihrer eigenen Fähigkeiten und Leistungen bewusst werden. "Wer das Gefühl hat ,Ich bin wichtig‘, strahlt das auch aus", sagt Schnack. Bei einem Vorstellungsgespräch sollten sich Introvertierte deshalb nicht als Bittsteller sehen, sondern als geeignete Person für die ausgeschriebene Stelle.

Nicht mit Arroganz überspielen

Zurückhaltende Menschen sollten sich nicht verstellen und krampfhaft versuchen, sich extrovertiert zu geben: Aus einem Introvertierten muss keine Rampensau werden. "Wer sich Extrovertiertheit antrainieren möchte, fühlt sich nicht wohl und wirkt gezwungen", so Schnack. Zurückhaltung mit Arroganz zu überspielen, bringe einen auch nicht weiter.

Dass es Berufe gibt, die nur für extrovertierte Personen passen, glaubt die Autorin nicht: "Introvertierte können in jedem Beruf Erfolg haben, wenn sie sich auf ihre Qualitäten besinnen." Auch für Führungspositionen würden sich zurückhaltende Menschen genauso gut eignen: "Viele introvertierte Chefs können besser zuhören und sind weniger Ich-bezogen." Allerdings haben sie auch oft Probleme damit, durchzugreifen, wenn es nötig ist.

Welche Tipps hat Schnack fürs Networking parat? "Vor dem Termin sollte man sich die Teilnehmerliste besorgen oder Veranstaltungen auswählen, bei denen man bereits jemanden kennt." Außerdem könnte man sich vorab mit interessanten Gesprächspartnern für die Veranstaltung verabreden. Negative Erfahrungen auf Veranstaltungen sollte man sich sparen, weiß Schnack aus eigener Erfahrung: "Wenn man sich nicht wohlfühlt, sollte man sich erlauben zu gehen."