Ohne Hut und Trenchcoat: Detektiv Bernhard Maier bleibt trotzdem lieber unerkannt. - © Foto: Stanislav Jenis
Ohne Hut und Trenchcoat: Detektiv Bernhard Maier bleibt trotzdem lieber unerkannt. - © Foto: Stanislav Jenis

Wien. Ein Detektiv macht nicht viel Aufhebens um seine Arbeit, sondern bleibt gerne im Hintergrund. So auch Bernhard Maier: Der Wiener hat nun als erster Detektiv im deutschsprachigen Raum den Preis des "Council of International Investigators" erhalten. Das weltweite Detektiv-Netzwerk prämiert damit Vertreter der Branche, die hohe fachliche und ethische Standards erfüllen. Doch als ihn die "Wiener Zeitung" in seinem Berufsalltag begleiten will, antwortet Maier bloß: "Sie stellen sich das aufregender vor, als es ist. Bei Observationen sitzt man nur herum und wartet."

Also sitzen wir im Kaffeehaus, Maier trägt Anzug und Krawatte, Hut und Trenchcoat besitzt er nicht. "Mit einem Mantel fällt man nur auf. Und wer trägt heute noch Hut?" Höchstens Nick Knatterton oder Sherlock Holmes. Doch genauso wenig wie er mit dem äußeren Erscheinungsbild der medialen Prototypen gemeinsam hat, unterscheidet sich sein detektivischer Alltag mit jenem aus Krimi-Serien: Nachforschungen in Liebesaffären machen heute nur noch einen Bruchteil der Arbeit aus, denn zwischen 80 und 90 Prozent der Ehen werden einvernehmlich geschieden. Und auch Affären auf die Schliche zu kommen, sei den meisten nicht wichtig genug, sagt Maier. Hier spielt auch Geld eine Rolle: Drei Tage Beobachtung kosten in etwa 5000 Euro.

Ist der Partner korrupt?

Der Großteil seiner Kunden sind Banken, daher ist Maier meist mit Insolvenzfällen beschäftigt oder er stellt Nachforschungen zu untergetauchten Schuldnern an. Die Suche nach verschwundenen Personen beginnt meist mit einer Internetrecherche, ein guter Ausgangspunkt ist auch der zuletzt bekannte Wohnort. "Es gibt immer eine Spur", sagt Maier, der im Auftrag einer jungen Frau den ihr bisher unbekannten leiblichen Vater ausfindig gemacht hat oder Mitbewerberanalysen für Unternehmen anstellt. Im Rahmen der "Competitive Intelligence" lassen Firmen potenzielle Geschäftspartner überprüfen, bevor sie miteinander kooperieren. Insbesondere in den USA oder Großbritannien sei das üblich, und diese Länder machen ein Drittel seines Kundenstamms aus. "Dort gibt es strenge Korruptionsgesetze, es ist wichtig, vorab zu wissen, ob ein Geschäftspartner korrupt ist."

Auch ihre Mitarbeiter lassen Unternehmen ausforschen, wenn Verdacht auf Diebstahl oder unberechtigten Krankenstand besteht. Das Wort "ausspionieren" hört Maier in diesen Zusammenhang nicht gerne: "Der Arbeitgeber hat eine Berechtigung zu wissen, ob ein Mitarbeiter krankfeiert." Doch auch vor der Anstellung wollen immer mehr Firmen alles über ihre künftigen Mitarbeiter in Erfahrung bringen: Während dies in Österreich noch kaum eine Rolle spielt, stehen "Preemployment Screenings" in Großbritannien und den USA an der Tagesordnung. Dabei wird geprüft, ob der Lebenslauf geschönt wurde, ein Suchtproblem oder eine Vorstrafe vorliegt und ob die Identität korrekt ist. "In Großbritannien wollen Tierschützer bei Mastbetrieben mitarbeiten, um das System von innen heraus zu ändern."