Wer eine Rechnung nicht bezahlt, wird in der Regel gemahnt. In manchen Fällen tut das der Gläubiger nicht selbst, sondern beauftragt einen Rechtsanwalt, in seinem Namen die Forderung einzutreiben. Dabei fallen neben dem eigentlichen Schuldbetrag auch Rechtsanwaltskosten an.

"Der Schuldner muss auch die Kosten zahlen, die durch die Inanspruchnahme des Rechtsanwalts entstanden sind", weiß der Zivilrechtsexperte und Wiener Rechtsanwalt Georg Fialka. Schließlich hätte der Rechtsanwalt nicht einschreiten müssen, wenn der Schuldner seine Zahlungspflicht erfüllt hätte. Die Kosten resultieren also aus der Vertragsverletzung. "Der Anwalt fordert den Schuldner im Namen seines Mandanten auf, sowohl den ursprünglichen ausständigen Betrag als auch die Kosten für seine anwaltliche Tätigkeit zu zahlen", erklärt Fialka. Die Höhe der Anwaltskosten hängt von der Höhe des Betrages ab, der eingemahnt wird. Sie steigen, je mehr geschuldet wird. Bei sehr hohen Schuldbeträgen sind die Anwaltskosten aber im Vergleich niedriger. "Die Mahnung durch den Rechtsanwalt kommt den Schuldner jedenfalls billiger als ein Gerichtsverfahren", versichert Fialka. Denn vor Gericht fallen auch Gerichtsgebühren an.

Zahlt der Schuldner nach der Mahnung durch den Rechtsanwalt zwar den ausständigen Betrag, jedoch nicht die Anwaltskosten, kann der Gläubiger wählen: Entweder er zahlt die Anwaltskosten selbst, oder er fordert sie in einer Schadenersatzklage vom Schuldner. "War die ursprüngliche Schuld sehr hoch oder die Bonität des Schuldners sehr schlecht, ist der Gläubiger meist froh, wenn der Schuldner gleich zahlt. Dann übernimmt er häufig die Anwaltskosten", erzählt Fialka aus Erfahrung. "Bei niedrigen Schulden allerdings sehen die wenigsten Gläubiger ein, warum sie dieses Wenige noch durch die entstandenen Anwaltskosten vermindern lassen sollen. Dann kommt es schon eher zu einer gesonderten Schadenersatzklage."