Kollisionen mit Wildschweinen sind grundsätzlich von Kasko-Versicherungen gedeckt. - © fotolia/Petair
Kollisionen mit Wildschweinen sind grundsätzlich von Kasko-Versicherungen gedeckt. - © fotolia/Petair

Wien. (sf) Der Schrecken bei Autofahrern sitzt tief, wenn sie ein Reh oder ein Wildschwein erwischt haben. Dennoch sollten Fahrzeuglenker die Nerven bewahren, die Unfallstelle absichern und die Polizei oder den Jagdberechtigten vor Ort verständigen - sonst machen sie sich wegen Nichtmeldens eines Sachschadens strafbar. Auch für die Versicherung ist eine Unfalldokumentation mit polizeilicher Meldung, Unfallbericht, Fotos und Polizzen-Nummer wichtig.

Die meisten Wildunfälle passieren in der Dämmerung zwischen 20 und 22 Uhr sowie außerhalb des Ortsgebiets bei hoher Geschwindigkeit. Das erhöht die Wucht des Aufpralls - und damit auch das Schadensausmaß. Trifft man mit 50 km/h auf einen 20 Kilo schweren Rehbock, wirkt eine halbe Tonne auf Fahrzeug und Fahrer, bei 100 km/h beträgt die Aufprallwucht zwei Tonnen, rechnet der Autofahrerclub ÖAMTC vor. Ein Wildschaden kostet durchschnittlich 2273 Euro, im Vergleich zu 1141 Euro bei anderen Kaskofällen, teilt die Helvetia Versicherung mit. "Jeder 20. Kfz-Kasko-Schaden bei Helvetia ist ein Wildschaden", sagt Helvetia-Vorstand Thomas Neusiedler, verantwortlich für Schaden-Unfall.

Größe des Tieres entscheidend

Zwei Drittel der Autofahrer haben eine Haftpflichtversicherung abgeschlossen - und müssen selbst für den Wildschaden aufkommen. Bei Wildunfällen wird der Schaden am eigenen Auto nur von der Kaskoversicherung ersetzt. Hochgerechnet auf ganz Österreich gebe es rund 26.000 Kasko-relevante Wildschäden pro Jahr, heißt es von Helvetia. Kasko-Versicherte sollten überprüfen, welche Schäden von ihrer Versicherung übernommen werden.

Ein Fahrzeuglenker darf prinzipiell nicht jäh und für den nachfolgenden Fahrer überraschend abbremsen. Wer wegen eines Tieres bremst, riskiert bei einem Auffahrunfall ein Mitverschulden.

Die Größe des Tieres entscheidet nach Ansicht der Höchstrichter über die Übernahme des Schadens, teilt der ÖAMTC mit: Bei einem Zusammenstoß mit einem Wildschwein, Reh oder Hirsch rechtfertigt die Gefahr für den Menschen eine Vollbremsung. "Grundsätzlich sind Schäden am eigenen Auto, die durch eine Kollision mit einem Haarwild entstanden sind, durch die Kaskoversicherung gedeckt", informiert das Versicherungs-Vergleichsportal durchblicker.at. Zu dieser Kategorie Wild zählen Reh, Hase, Fuchs oder Wildschwein. Ob Schäden durch Unfälle mit Fasanen oder Eulen von der Versicherung übernommen werden, ist in den jeweiligen Versicherungsbedingungen nachzulesen.