Wien. Jahrelang war die angebliche Online-Apotheke www.apotheke-austria.com eine echte Goldgrube. Über diese und weitere Internet-Adressen brachte die sogenannte "Viagra-Bande" gefälschte Medikamente, vor allem Potenzpillen, an den Mann und verdiente damit an die drei Millionen Euro. Zwei Jahre dauerten die Ermittlungen gegen den Fälscher-Händlerring, bis am Montag dieser Woche die Handschellen klickten.

Unter dem Decknamen "Operation Vigorali" machten Ermittler aus Österreich, Ungarn und Großbritannien dem Spuk ein Ende. Allein in Wien wurden eine Million gefälschte Viagra-Tabletten und Schlankheitspillen sichergestellt. "Es war der europaweit größte Schlag gegen den Handel mit illegalen Arzneimitteln und die organisierte Kriminalität", betonte Dieter Csefan, der Leiter der Einsatztruppe im Wiener Bundeskriminalamt.

Doch angesichts der weltweit boomenden "Pharmaceutical Crime"-Branche (siehe Kasten) nur ein Tropfen auf den heißen Stein. "Der aktuelle Fall zeigt die Notwendigkeit einer Verschärfung der rechtlichen Rahmenbedingungen auf europäischer Ebene", zieht Hans Steindl, Direktor der Österreichischen Apothekerkammer, seine eigenen Schlüsse aus der "Operation Vigorali". "Insbesondere die Bestimmungen im Versandhandel sind dringend zu überdenken."

Tatsächlich gibt es für den Versand von Arzneimitteln derzeit keine EU-weite Regelung. Die Mitgliedsländer entscheiden selbst, ob und welche Pharmaprodukte über das Internet verkauft werden dürfen. So sind etwa in Großbritannien und den Niederlanden rezeptpflichtige Medikamente online erhältlich, während es österreichischen Anbietern erst ab Sommer 2015 erlaubt sein wird, rezeptfreie Medikamente zu versenden. Anbieter aus dem EU-Ausland können diese schon jetzt nach Österreich liefern. Bleibt die Frage, wie Konsumenten sichergehen können, bei einer seriösen Online-Apotheke einzukaufen.

"Verbraucher müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie beim Kauf von Arzneimitteln im Internet Gefahr laufen, Fälschungen zu bekommen, wenn sie nicht bei einem behördlich zugelassenen Vertreiber bestellen", warnt Tonio Borg, EU-Kommissar für Gesundheit. "Um die Sicherheit der Verbraucher zu gewährleisten, hat die Kommission deshalb ein gemeinsames Logo für Online-Apotheken entworfen."

Unwissenheit und Leichtsinn

Das Logo wurde von der EU-Kommission im Rahmen der Richtlinie über gefälschte Arzneimittel (Richtlinie 2011/62/EU) im Juni erlassen. In dem Logo findet man die Fahne des Landes, in dem die Online-Apotheke ihren Sitz hat, sowie eine Aufforderung zum Anklicken. Der angeklickte Link soll den Online-Kunden dann zu einer Behörden-Website des jeweiligen Landes führen, auf der eine Liste mit allen dort zugelassenen Online-Apotheken und Arzneimittel- Händlern zu finden ist. "Ist die Apotheke dort nicht aufgeführt, sollte man nicht über dieser Website ordern, sondern einen der zugelassenen Vertreiber wählen", rät Tonio Borg. Das Logo wird ab der zweiten Jahreshälfte 2015 zur Verfügung stehen. Die Länder haben ein Jahr Zeit, um sich auf die Anwendung des Logos und begleitende Aufklärungskampagnen vorzubereiten.

Dass Aufklärung tatsächlich nottut, belegt eine 2010 durchgeführte Umfrage des Marktforschungsinstituts Market im Auftrag des Pharmaunternehmens Pfizer Österreich. Damals konnten zwei Drittel der Befragten mit dem Thema "Medikamentenfälschung" überhaupt nichts anfangen, rund sieben Prozent glaubten sogar, gefälschte Arzneimittel und Generika seien dasselbe. "Dieses mangelnde Problembewusstsein verleitet dazu, die Gefahr gefälschter oder illegaler Medikamente zu unterschätzen", warnen die Studienautoren.

Bei einer weiteren Studie von Pfizer International gaben rund 25 Prozent der befragten Österreicher an, schon einmal ein verschreibungspflichtiges Medikament ohne Rezept gekauft zu haben, beziehungsweise, das zu beabsichtigen. Als Gründe für den Leichtsinn werden niedrigere Preise und die Vermeidung eines Arztbesuchs genannt. Fazit der Studie: "Viele Österreicher wissen nicht einmal, dass der Verkauf rezeptpflichtiger Medikamente über das Internet verboten ist, und ignorieren die damit verbundenen Gefahren."

In der EU-Kommission setzt man nun große Hoffnungen in das neue Gütezeichen für Online-Apotheken. EU-Kommissar Tonio Borg: "Ich vertraue darauf, dass es die Konsumenten dank des neuen Logos künftig leichter haben werden, sichere und informierte Kaufentscheidungen zu treffen."