Wien. Lange waren die Verwandtschaftsverhältnisse eines mysteriösen, rund 390 Mio. Jahre alten Fossils unklar. Ein internationales Forscherteam, darunter die Wiener Paläontologin Cathrin Pfaff, berichtet nun im Fachjournal "Royal Society of Open Science", dass "Palaeospondylus gunni" ein kiefertragendes Wirbeltier ist und nicht, wie zuletzt angenommen, die Larve eines kieferlosen Fisches.

Die ersten Vertreter von Palaeospondylus wurden Ende des 19. Jahrhunderts in einem schottischen Steinbruch gefunden. Sie haben ein Alter von rund 390 Millionen Jahren und stammen somit aus dem Mittleren Devon. Keines der gefundenen Tiere besitzt Zähne oder einen Kiefer, weshalb bisher auch nicht geklärt war, ob es sich um ein Larvenstadium oder um ein erwachsenes Tier handelt.


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Questioning hagfish affinities of the enigmatic Devonian vertebrate Palaeospondylus



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Vier Jahre lang arbeiteten Wissenschafter aus Großbritannien, Schweden, Australien und Österreich daran, das Fossil zu klassifizieren. Die Ohrregion des Tieres lieferte den entscheidenden Hinweis, erklärte Pfaff vom Institut für Paläontologie der Universität Wien am Mittwoch in einer Aussendung.

Bei kieferlosen Wirbeltieren wie den Schleimaalen, zu denen Palaeospondylus gunni zuletzt gezählt wurde, gibt es nur einen Bogengang. Dass sich im Innenohr des Palaeospondylus jedoch drei Bogengänge befinden, haben die Wissenschafter mittels modernster Scan- und Bildanalyseverfahren festgestellt. Dadurch könne das nur wenige Millimeter große Fossil den kiefertragenden Arten zugerechnet werden, so die Expertin.

Aufgrund weiterer Merkmale des Schädels gehen die Wissenschafter heute davon aus, dass es sich bei Palaeospondylus um einen Stammgruppenvertreter der Knorpelfische handelt, zu denen auch Haie und Rochen zählen