Auch von der nationalen Arzneimittelagentur Ages PharmMed und deren deutschem Pendant, dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), werden die derzeit verfügbaren FSME-Impfstoffe als vergleichsweise harmlos bezeichnet. "Auf 100.000 Impfdosen kommen etwa drei Meldungen über Verdachtsfälle auf Impfkomplikationen", so eine PEI-Sprecherin. Eine Auflistung der (deutschen) Verdachtsfälle hat das PEI auch ins Internet gestellt (www.pei.de/db-verdachtsfaelle). Seit 2001 habe es bei FSME keine einzige gesicherte Meldung über schwerwiegende Impfschäden und nur einen Verdachtsfall gegeben. "Wenn ein Patient nach der Impfung einige Tage 38 Grad Fieber hat, ist das nicht schwerwiegend", erläutert die PEI-Sprecherin.

Impfung unbedenklich

Apropos 2001: Das war nämlich das Jahr, in dem der Pharmakonzern Baxter seinen FSME-Impfstoff "TicoVac" zurückziehen musste, nachdem allein in Wien an die 800 Fieberreaktionen bei Kindern nach der Erstimpfung gemeldet worden waren. "Der Hersteller wollte prinzipiell etwas Gutes tun, indem er den Impfstoff reiner machte - weil aber dafür ein Wirkstoff herausgenommen wurde, kam es zu einer überschießenden Wirkung", sagt der Kinderarzt Rudolf Schmitzberger. Man habe aber rasch und gut darauf reagiert, und heutige Impfstoffe seien kaum bedenklich.

Schmitzberger rät auf jeden Fall zur FSME-Impfung: "Österreich hat eine sensationelle Impfungsrate von 88 Prozent. Tschechien beispielsweise hatte im Vorjahr rund 630 FSME-Fälle, hierzulande waren es 87." Die hohe Impfungsrate habe laut einer Studie des Virologie-Instituts zwischen 2000 und 2006 in Österreich hochgerechnet rund 2800 Erkrankungen und 20 Todesfälle verhindert.

Während Säuglinge und Schulkinder laut dem Mediziner eine exzellente Durchimpfungsrate haben, "hapert es bei der Generation 50 plus - dort sind in Zukunft mehr FSME-Fälle zu befürchten, weil die vom Impfplan vorgesehenen Intervalle oft nicht eingehalten werden", so Schmitzberger. Zumal sich die epidemologische Situation gewandelt hat: Zecken kommen mittlerweile auch in Höhenlagen (über 1000 Metern) vor, die früher als ungefährlich galten. Sprich: In Westösterreich müssten sich bisher Ungeimpfte nun auch immunisieren lassen.

Strittige Impfintervalle

Kritiker sehen im österreichischen Impfplan allerdings einen Kniefall vor der Pharmaindustrie, die ihre Produkte unters Volk bringen wolle. "Generell alle fünf Jahre aufzufrischen ist nicht immer sinnvoll", meint etwa ein Insider aus der Pharmabranche. Er selbst ist seit der Grundimmunisierung laut Antikörper-Titer im Blut "vermutlich bis ans Ende meines Lebens geschützt - darüber streite ich seit jeher mit unserer Arbeitsmedizinerin, wenn sie auffrischen will".