Da ist der serbische KZ-Häftling Zvonimir Cuckovic, als Hilfskraft auf Schloss Itter eingeteilt. Er schlägt sich unter Lebensgefahr nach Innsbruck durch, um die dort bereits etablierten Amerikaner um Hilfe zu bitten. Der polnische Koch Andreas Krobot schafft es nach Wörgl, wo sich der erwähnte Sepp Gangl, Karrieresoldat der Wehrmacht und bis dato braver Nationalsozialist, bereit erklärt, mit seinem Unteroffizier die Fahrt nach Kufstein zu wagen. Das heißt: im Kübelwagen in voller Montur durch die Straßensperren deutscher Truppen und im genau richtigen Moment die weiße Fahne auspacken und hoffen, dass die Amerikaner nicht zuerst schießen - und erst dann fragen.

Mit nur einem Panzer


Der Bravourakt gelingt. Jack Lee, Kommandant einer Panzerkompanie, erklärt sich sofort bereit, die Rettungsmission zu leiten, und im Endeffekt trifft eine höchst ungewöhnliche, aus amerikanischen GIs, Wehrmachtssoldaten und Tiroler Widerstandskämpfern zusammengewürfelte Truppe mit einem (!) Panzer auf dem Schloss ein, wo, um die Mischung komplett zu machen, sich auch noch SS-Hauptsturmführer Kurt-Siegfried Schrader befindet, der sich dem Widerstand angeschlossen hat. Er bestätigt, was alle schon befürchtet haben: In der Gegend wimmelt es von schwer bewaffneten und immer noch zum Kampf bereiten SS-Verbänden, die es jedenfalls auf eines abgesehen haben, nämlich sich der Prominenz von Schloss Itter zu bemächtigen.

Nun galt es die Verteidigung gegen die phantomhaft in den Wäldern herumgeisternde SS zu organisieren, deren Angriff tatsächlich nicht lange auf sich warten lässt. Die "letzte Schlacht", tatsächlich die letzte größere Kampfhandlung des Krieges auf europäischem Boden, beginnt am frühen Morgen des 5. Mai und dauert zwölf lange Stunden voll nervenzerfetzender Dramatik.

Der vor dem Schlosstor postierte Panzer geht in Flammen auf, die Munition zur Neige, es gibt Verwundete und einen Toten - den Major Gangl -, und im Lauf des Nachmittags wird die Lage zunehmend brenzliger, endlich unhaltbar. Buchstäblich und filmreif in letzter Sekunde, als die SS-Soldaten schon zum Sturm auf die Schlossmauer ansetzen, hört man plötzlich aus dem nahe gelegenen Dorf automatische Waffen und Panzerkanonen. Sekunden später, als ein amerikanischer Panzer am oberen Ende des Schlosswegs stehenbleibt, ist der Spuk vorbei.

Second Lieutenant Jack Lee setzt eine filmreife Pointe an den Schluss des Abenteuers: "Lee tat so, als sei er verärgert, blickte dem jungen Panzersoldaten in die Augen und fragte nur: Was zum Teufel hat euch aufgehalten?"

Ein paar Tage später ist alles zu Ende, allerdings nicht gerade so, als sei nichts gewesen. Wie Jack Lee es Jahre später formulieren wird: "Es war schlicht das Ungewöhnlichste, was ich je erlebt habe." Aus ihm, dem frechen, wagemutigen Kerl auf seinem Panzer, dem jungen Helden der Erzählung, wird später - nichts. Beruflich erfolglos, säuft er sich irgendwann in den fünfziger Jahren buchstäblich zu Tode.

Solche Geschichten kann man nicht erfinden, sondern nur finden. Bei dieser hat der himmlische Drehbuchschreiber sich in jeder Hinsicht ganz besondere Mühe gegeben, und der amerikanische Kriegshistoriker Stephen Harding hat sie mit großem Gusto für uns in Buchform gebracht. Er verfügt über die bekanntlich bei englischsprachigen Sachbuchautoren verbreitete Fertigkeit, anschaulich und spannend zu erzählen, ohne dabei auf die Fakten und historischen Querbezüge zu vergessen. Er verzichtet auf Belehrungen und sonstiges Moralisieren, und überlässt es im Wesentlichen dem Leser, sich Gedanken über die Motivation der handelnden Personen in seiner Geschichte zu machen. Und diese Geschichte bietet Stoff dazu, mehr als genug.

Walter Klier lebt als Schriftsteller und Maler in Innsbruck.