In Mexiko setzen Priester seit Jahrtausenden "Magic Mushrooms" ein, bei religiösen Opferfeiern etwa versetzen die Geistlichen mit Hilfe dieser Pilze ganze Menschengruppen in Trance. Der Wirkstoffe Psilocybin zählt zu den ältesten Rauschmitteln, es handelt sich dabei um ein Halluzinogen, das Bewußtseinsveränderung, Gleichgewichtsstörung und Gesichtsschwellung hervorrufen kann.

Nach neuen Erkenntnissen von US-Wissenschaftern kommt eine weitere Wirkung hinzu: So kann Psilocybin Angst und Depressionen lindern. In zwei Studien wurde an Krebspatienten der Einsatz von Psilocybin getestet. Eine wurde am New York University Langone Medical Center mit 29 Patienten durchgeführt, die andere an der John Hopkins Universität mit 51 Probanden. Beide zeigen, dass bereits eine einzige Dosis zu einer sofortigen Reduktion von Depression und Angst führen und der Effekt bis zu acht Monate lang anhalten kann. Das sei beispiellos, so der Initiator der Studie an der NYU Stephen Ross.

Denkmuster durchbrechen 

Rund 40 bis 50 Prozent der neu diagnostizierten Krebspatienten leiden an einer Form von Depression oder an Angst. Antidepressiva zeigen nur geringe Wirkung, vor allem bei schweren existentiellen Ängsten, welche in Suizid münden können.

Die Resultate beider Studien wurden im "Journal of Psychopharmacology" veröffentlicht. Demnach wurden bei 80 Prozent der Patienten moderate bis große Verbesserungen ihres Wohlbefindens festgestellt, bei gleichzeitiger Psychotherapie. Die Droge könne helfen, festgefahrene negative Denkmuster zu durchbrechen und in existenziellen Fragen zu einer neuen Perspektive zu kommen, heißt es weiter.

"Die Ergebnisse weisen darauf hinweisen, dass schwere psychische
Krankheiten mittels medizinischer Verschreibung von Psilocybin
effektiver behandelbar sein können als mit herkömmliche
pharmazeutischen, täglich einzunehmenden Medikamente", so George Greer, medizinischer Direktor des Heffter Research Institute, das die Studien finanzierte. Dazu seien aber weiterführende Studien nötig. Benannt ist das Institut nach dem deutschen Pharmakologen Arthur Heffter, der 1897 das Meskalin aus dem Peyotekaktus isolierte.