Pro Stunde 25 Millionen DNA-Bausteine lesbar


Das schnellste DNA-Lesegerät, ein Chip mit Mikroarray, stammt von Jonathan Rothbergs Firma "454 Life Science" in den USA. Es kann 25 Millionen DNA-Bausteine in einem Durchlauf binnen einer Stunde ablesen. Mit diesem Chip wurde bereits die Knochen-DNA des Neandertalers (homo neanderthalensis) analysiert. Da aber jedes einzelne humane Genom häufig in einzelnen DNA-Bausteinen von einem anderen abweicht - angesichts der 2,1 Milliarden Bausteine fällt dies prozentuell kaum ins Gewicht -, werden bei solchen DNA-Analysen meist gleich 50.000 DNA-Bausteine in einem einzigen Analyseschritt abgelesen. Die Übereinstimmung der DNA von zwei Lebewesen oder Pflanzen stellt also eine grobe Vereinfachung dar.

Fast zwangsläufig ergeben sich durch die Eruierung solch immenser Daten neue öffentliche Datenbanken. Das Rote Kreuz war eine der ersten Organisationen, die eine Blutspender-Datenbank mit Blutgruppen, Rhesus-Faktoren etc. anlegten. Die neuen Bio-Datenbanken werden zukünftig die Arbeit der Ärzte erleichtern. Diesem Trend folgten bereits private Pharmakonzerne: Die Schweizer Novartis AG richtete eine Gendatenbank für Altersdiabetes ein. Auf der Web-Site "www.broad.inst.edu" sind genetische Informationen von über 1500 Diabetes-Patienten aus Schweden und Finnland verfügbar, die mit der DNA von 1500 gesunden Personen aus den beiden Ländern verglichen werden können.

Man versteht schon: Die Genom-Datenbasis soll möglichst einheitlich und bevölkerungstypisch sein. Deshalb entschieden sich die Genforscher in Deutschland für den getrennten Aufbau von süd- und norddeutschen Genom-Datenbanken. Die neue Gendiagnostik wird auch gleich mit der anschließenden Therapie verbunden: Roche, Basel, entwickelte mit seinem Brustkrebsmedikament Herceptin einen dazu passenden HER2-Rezeptor-Test.

Für die Volkskrankheit Diabetes brachte die Genforschung bereits zutage, dass vier größere Regionen im Genom des Menschen mit der Auslösung der Erkrankung eng verbunden sind. Weiter wurde konkret der Gen-Locus TCF722 als wichtig identifiziert. Mit 70-prozentiger Sicherheit kann deshalb ab sofort eine Prognose zur Erkrankung eines Patienten an Diabetes abgegeben werden. Weiters wurde in der DNA ein Protein gefunden, das Zink transportiert. Stoffwechsel-Experten ist bereits bekannt, dass Zink eine Rolle bei der Verpackung und zellulären Sekretion von Insulin spielt.