Wien. Seit mehr als 400 Millionen Jahren leben Mondmuscheln mit Bakterien in friedlicher Symbiose. Auf diese besondere Partnerschaft richtet die aus Australien stammende Wissenschafterin Jillian Petersen mit ihrer Forschergruppe an der Universität Wien den Fokus. Sie will die Sprache zwischen Tier und Mikroorganismen verstehen lernen, um daraus möglicherweise Antworten für Fragestellungen in der medizinischen Forschung ableiten zu können. "Der Mensch lebt mit tausenden Partnern zusammen - guten und bösen Bakterien. Die Muscheln, unsere Modellorganismen, haben nur einen Partner, der für sie lebensnotwendig zu sein scheint", schildert Petersen. Diese Monogamie ermöglicht es den Forschern, das friedliche Zusammenleben mit Bakterien viel genauer zu erforschen. "Es ist leichter, einem Gespräch zu lauschen, wenn es nur einen Gesprächspartner gibt", so die Forscherin. Sie arbeitet seit 2014 mit einer eigenen Forschungsgruppe in Wien und hofft, in Zukunft Erklärungen für das geheimnisvolle mikrobielle Leben im menschlichen Körper liefern zu können.

Zwei junge Talente als Testimonials


Ein eigenes Team aufzubauen, ist das Bestreben vieler junger Wissenschafter. Forschungsförderungspreise ermöglichen solch ambitionierte Zielsetzungen. Rund zwölf Millionen Euro schüttet der Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds jährlich aus, um exzellente Köpfe nicht nur zu fördern, sondern sie auch an den Standort Wien zu binden. Zwei jungen Forscherinnen, die vor einigen Jahren auf diesem Weg ihre Arbeit in der Bundeshauptstadt begonnen haben, ist es zudem gelungen, ERC-Starting-Grants an Land zu ziehen. Mit dieser EU-Förderung für Jungforscher ist die unabhängige Fortsetzung ihrer Tätigkeiten garantiert. Der WWTF und die Stadt Wien präsentierten am Dienstag im Rathaus zwei junge Talente als "Testimonials für den erfolgreichen Forschungsstandort Wien". Eines davon ist Petersen.

Ihre Forscherkollegin, die aus Portugal stammende Filipa Sousa, ist ebenso ERC-Starting-Grant-Trägerin. Ziel des durch den Preis geförderten Projekts an der Universität Wien ist es, herauszufinden, wie Mikroorganismen - in ihrem Fall die sogenannten Archaeen - Energie für Stoffwechselleistungen verfügbar machen können, und wie diese Prozesse im Laufe der erdgeschichtlichen Entwicklung entstanden sind. Diese Bakterienart ist besonders anpassungsfähig. Archaeen findet man im tierischen und menschlichen Darm ebenso wie in Salzseen oder Vulkanen. Sousa geht daher auch der Frage nach, wie diese Anpassungsfähigkeit trotz oft widrigster Umstände überhaupt zustande kommen kann.

Aufbau von Forschungsgruppen


"Mit Petersen und Sousa sind zwei Spitzenforscherinnen ausgezeichnet worden, die ohne das Vienna Research Groups-Programm (VRG) nur schwer ihren Weg nach Österreich gefunden hätten. Mit der Finanzierung durch den WWTF konnten sie eine eigene Arbeitsgruppe aufbauen und ihre Forschungsarbeit vorantreiben, die letztlich zum ERC-Erfolg geführt hat", betonte Uni-Wien-Rektor Heinz Engl. Der WWTF hatte das VRG-Programm im Jahr 2010 im Auftrag der Stadt Wien gestartet. Durch die finanzielle Ausstattung in Höhe von jeweils etwa 1,6 Millionen Euro ermöglicht es Nachwuchswissenschaftern, ihre erste eigene Arbeitsgruppe aufzubauen und damit ihr Forschungsfeld unabhängig zu entwickeln. Der WWTF ist der größte nichtsstaatliche Förderungsfonds Österreichs unter dem derzeitigen Vorsitz von Alt-Bürgermeister Michael Häupl.