Manchmal aber werden die potenziellen Thronfolger ungeduldig und versuchen einen Putsch. Das passiere oft, wenn die Chefin gerade auf einem Streifzug weit weg ist. Die Erfolgschancen steigen dann mit der Zahl der Verbündeten, auf die Putschisten zurückgreifen können. Und genau diese entscheiden auch darüber, wer einen Konflikt zwischen zwei Hyänen gewinnt: Als Sieger geht das Tier vom Platz, das mehr Unterstützer hat.

Die Hyänen-Hierarchie

Dabei müssen die Verbündeten gar nicht anwesend sein. Es genügt, wenn eine Hyäne weiß, dass sie im Notfall schnell zu Hilfe kommen würden. Das zeigt sich besonders bei Begegnungen zwischen zwei Hyänen, die beide gerade außerhalb ihrer Gruppe unterwegs sind. Fast immer gewinnt das Tier, das näher an seinem Zuhause ist. Genau deshalb ziehen in diesen Fällen auch eigentlich hochrangige Weibchen bei Begegnungen mit den in der Hyänen-Hierarchie für gewöhnlich tiefer stehenden Männchen den Schwanz ein und legen die Ohren an: Die Männchen sind näher an ihrem Zuhause und bekämen schneller Hilfe.

Solche Erfolgserlebnisse kommen jedoch selten vor, weil die Männchen den Clan, in dem sie geboren wurden, sehr häufig verlassen, nachdem sie im Alter von zwei bis drei Jahren geschlechtsreif werden. So verringern sie das Risiko, sich mit engen Verwandten zu paaren, weil ihre Schwestern, Tanten und Nichten meist zuhause bleiben. Dabei verlieren sie aber auch ihr gesamtes Geflecht an Beziehungen und müssen in der Hyänen-Hierarchie wieder ganz unten anfangen. Da sie zuhause bleiben, vermeiden die Weibchen solche Brüche in ihrer Biografie.

"Auch bei anderen Säugetierarten beeinflussen die Chancen und Risiken der Fortpflanzung ihre Sozialsysteme", erklärt Gottfried Hohmann vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Dabei denkt der Spezialist für Menschenaffen etwa an Gorillas, bei denen sich die Männchen gerne einen Harem halten, um Nachwuchs zu schaffen. Aber auch die Weibchen profitieren vom Leben im Harem, den der Silberrücken vehement verteidigt.

Ähnliche Harems gibt es auch bei bestimmten Krallenäffchen in Südamerika. Nur sind dort die Rollen vertauscht und ein Weibchen hat zwei oder drei Männchen in ihrer Gruppe. Diese tragen auch den Nachwuchs, der nur zu seiner Mutter kommt, wenn der Hunger zu stark wird und die Kleinen gesäugt werden.

Die Erfahrung der Großen

Schwertwale und Elefanten setzen auf Familiengruppen, die von einem erfahrenen, älteren Weibchen geführt werden. Auch das hat seine Gründe: Beide Arten sind auf die Erfahrung und das Gedächtnis ihrer Groß- und sogar Urgroßmütter angewiesen. Die auch als Orcas bekannten Schwertwale spezialisieren sich auf unterschiedliche Beute von Heringen über Robben bis hin zu großen Haien, die sie mit ausgefeilten Methoden jagen und zur Strecke bringen. Die kleinen Schwertwale lernen diese Methoden in einer langen Ausbildung - von den Großen. Die alte Elefantenkuh wiederum erinnert sich bei extremen Dürren, wie sie vielleicht nur zweimal im Jahrhundert auftritt, vielleicht noch an eine verborgene Wasserstelle, an die sie im Teenageralter in ähnlicher Situation ihre eigene Großmutter geführt hat, die wiederum ihr Wissen noch von den Urahnen erworben hat.

Die Natur bietet also auch in Geschlechter- und Dominanzfragen aus mitunter guten Gründen recht unterschiedliche, aber praktisch immer maßgeschneiderte Lösungen an, in denen einmal das eine und das andere Mal das andere Geschlecht die Nase oder den Rüssel vorn hat.