Wien. Viel Licht und ein wenig Schatten attestiert der neue Fortschrittsreport zum europäischen Forschungsraum (ERA) der EU-Kommission Österreichs Innovationssystem. Während man etwa in den Bereichen exzellente Forschung, F&E-Budget oder Wirtschaftskooperationen teils deutlich über den EU-Schnitt liegt, hinkt Österreich beim Frauenanteil unter den Forschern ein Stück weit hinterher.

Seit 2012 gibt es verstärkte Anstrengungen der Kommission und der EU-Mitgliedsstaaten, einen gemeinsamen Forschungsraum (European Research Area - ERA) zu etablieren. Die Entwicklung der einzelnen Staaten in diesem Zusammenhang wird in den "ERA Progress Reports" hinsichtlich sechs Schwerpunktbereichen analysiert. Diese betreffen unter anderem die Effektivität der Forschungssysteme, die länderübergreifende Zusammenarbeit und Forschungsinfrastrukturen, die Offenheit des Arbeitsmarktes für Forscher, die Geschlechtergleichstellung oder den Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen. Der Bericht stuft den jeweiligen Entwicklungsstand der Länder in vier Kategorien (Cluster) im Zeitraum 2016 bis 2018 ein.

Grundlagenforschung

Mit seiner Forschungsquote von über drei Prozent des BIP in den vergangenen Jahren fällt Österreich in die Gruppe jener Länder, die hier weit über dem Durchschnitt liegen (Cluster 1). Nicht ganz so weit über dem Schnitt (Cluster 2) kommt Österreich in Sachen Forschungsexzellenz zu liegen. Hier gehen etwa die im europäischen Wettbewerb eingeworbenen hochdotierten Forschungsförderungen des Europäischen Forschungsrates (ERC), Patenteinreichungen oder der Anteil häufig zitierter wissenschaftlicher Publikationen ein.

Gegenüber dem vorherigen ERA-Bericht (2016) hat Österreich seine Leistung in diesem Indikator um acht Prozent gesteigert. Ein deutlicheres Wachstum verzeichneten hier nur drei teilnehmende Länder (Malta, Luxemburg und Norwegen). Im Länderbericht wird allerdings angemerkt, dass die Förderung der Grundlagenforschung durch die öffentliche Hand "relativ gering" ist.

Offenheit des Arbeitsmarkts

Gut ist es laut der Analyse um die Offenheit des Arbeitsmarktes für Forscher (Cluster 2) bestellt. Die Kooperationen zwischen Unternehmen und Hochschulen und Forschungseinrichtungen liegt mit fast 25 Prozent deutlich über dem EU-Durchschnitt von 15 Prozent (Cluster 1). Die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und das Austria Wirtschaftsservice (aws) führen das auch auf die Arbeit der Nationalen Kontaktstelle für Wissenstransfer und Geistiges Eigentum (NCP-IP) zurück.

Nur in Cluster 3, und damit leicht unter dem EU-Durchschnitt, landete Österreich beim Frauenanteil unter den Forschern (23 Prozent 2016). Bei den weiblichen PhD-Absolventen kommt Österreich nur auf einen Anteil von 42 Prozent, was im Vergleich zum EU-Schnitt von 48 Prozent im Länderbericht als "besonders schwach" gilt (Cluster 4).