Mittlerweile stelle man diese auch für Kunden als Alternative zur Pulvertechnologie her. Der 3D-Druck bringt laut dem Fachmann einen Riesenvorteil für die Industrieforschung: Anstatt für vielleicht komplizierte Geometrien teure Gussformen zu entwickeln, lassen sich schnell und kostengünstig Prototypen für Forschungsprojekte herstellen. Ein Bauteil mit vorgegebener Passung für das Lager (für ein Getriebegehäuse, siehe Bild) ist in drei Stunden gedruckt. "Wir haben ausgerechnet, dass man rund 280 Stück drucken lassen könnte, bis man die Kosten für die Entwicklung und Herstellung einer Gussform erreicht", erzählt AIT-Research Engineer Martin Schnall, der nach seinem Studium der Werkstoffwissenschaften noch eine Schweißer-Ausbildung machte und für seine Besucher den Schweißroboter stolz in Aktion präsentiert. Kleine Einschränkung: Bauteile können erst ab einer bestimmten Größe hergestellt werden, also im Nanobereich spielt sich nichts ab.

Im Herbst wird Jubiläum gefeiert

Als Tochter des AIT Austrian Institute of Technology gehört das LKR zum AIT-Center for Low-Emission Transport, das ebenfalls unter der Leitung von Chimani steht. Das LKR selbst ist aus einer Forschungsgruppe der AMAG Austria Metall AG hervorgegangen, auf deren Gelände man bis heute untergebracht ist. Im September wird das 25-jährige Firmenjubiläum gefeiert. Die Kunden stammen hauptsächlich aus der (Zuliefer-) Industrie im Automotive-Bereich, von kleinen bis zu großen Playern wie Magna. Aber auch Gießereien oder Schmieden werden bedient.

Zwei Drittel der Arbeit ist am LKR der Auftragsforschung vorbehalten, ein Drittel (35 Prozent) nimmt die Grundlagenforschung ein. Und Chimani weist auf einen Aspekt hin, der oft unterschätzt wird: "Forschung findet zu 50 Prozent vor dem Computer statt."

Simulation als Teil der Forschung

Eine nicht mehr wegzudenkende Rolle spielen in der Forschungsarbeit Simulationen, auch am LKR. Sie werden parallel zur Werkstoffentwicklung sowie zur Entwicklung von Prozessen und Bauteilen eingesetzt. Im Zuge der Werkstoffcharakterisierung gilt es dann etwa zu überprüfen, ob die errechneten Eigenschaften auch erreicht wurden. "Hier gibt es mitunter doch deutlichen Nachbesserungsbedarf", räumte Chimani ein, der selbst Werkstoffwissenschaften an der Montanuniversität Leoben studierte und an der TU Wien in Maschinenbau promovierte.

Mit einer Reihe von Universitäten bestehen Forschungskooperationen. "In Österreich arbeiten wir mit den technischen Universitäten in Wien und Graz, natürlich mit der Montanuniversität Leoben, oder im Bereich der Simulation viel mit der Johannes Kepler Universität Linz zusammen, aber auch mit Fachhochschulen wie der FH Hagenberg", erzählt er. Darüber hinaus gibt es beispielsweise in Deutschland gemeinsame Projekte mit der TU München, der TU Freiburg oder auch der Fachhochschule Landshut. Mit der ETH Zürich wird an Magnesiumlegierungen mit besonders guten Verarbeitungseigenschaften für Umformprozesse geforscht, und in einem Projekt mit der australischen University of Wollongong beschäftigte sich das LKR zuletzt mit schnell extrudierbaren Magnesiumlegierungen.

Internationales Recruiting

Rund zehn Prozent des Forschungsteams, darunter Werkstoffwissenschafter, Maschinenbauer, Metallurgen, aber auch Physiker oder Prozesstechniker, sind Frauen. Rekrutiert wird international, anders ginge es gar nicht mehr. "Das Innviertel ist seit zwei Jahren eine absolute Boom-Region. Viele Unternehmen in der Region suchen Fachkräfte", betont Chimani. Als Praktikanten werden gern HTL-Schüler aufgenommen - "um ihnen zu zeigen, was sie hier bei uns nach der Uni machen könnten und um ihr Interesse zu wecken" - aber auch Lehrberufe wie Werkzeugmacher oder Gießer benötigt das Unternehmen.(apa, Sylvia Maier-Kubala)