"Mutige, große Schritte": FWF-Chef Tockner. - © Helmut Fohringer
"Mutige, große Schritte": FWF-Chef Tockner. - © Helmut Fohringer

Wien. (est) Die Inhalte sind vorbereitet, aber noch fehlen die Mittel. Nach der Verschiebung des für Anfang Mai geplanten Forschungsgipfels durch die Bundesregierung sieht der Präsident des Wissenschaftsfonds FWF, Klement Tockner, "den Ball am Elf-Meter-Punkt". Nun sei es Zeit, das Tor zu schießen. "Jetzt müssen finale Schritte zur Umsetzung gemacht werden", betonte Tockner am Dienstag bei der Bilanz-Pressekonferenz der größten Förderagentur für Grundlagenforschung in Österreich.

Sollte der letzte Schritt doch nicht gesetzt werden, "wird das auch in die Geschichte eingehen", sagte der FWF-Chef. Es gebe keine Alternative. Planbarkeit und Langfristigkeit seien die Voraussetzung, um konzentriert zu forschen und genug Neues entdecken zu können, als dass Österreich im internationalen Wettbewerb mithalten kann. Andere Länder, wie Deutschland oder die Schweiz, setzen "mutige, große Schritte", um Giganten auf dem Weltmarkt das Wasser reichen zu können.

Zum Hintergrund: Im Sommer des Vorjahres hatte die Bundesregierung eine Exzellenzinitiative in der Grundlagenforschung und ein Forschungsfinanzierungsgesetz angekündigt. Bei dem Forschungsgipfel sollten Inhalte, Ausgestaltung und Finanzierung vorgestellt werden. Die Exzellenzinitiative sollte die Grundlagenforschung stärken, das Gesetz die öffentlichen Mittel für Wissenschaft, Forschung und Innovation Jahr für Jahr strategisch anheben.

"Kritischer Punkt Finanzierung": Minister Faßmann. - © Fohringer
"Kritischer Punkt Finanzierung": Minister Faßmann. - © Fohringer

Was in der Forschung erst ein gezieltes Arbeiten ermöglicht, ist in anderen Budgetposten allerdings unüblich: Das Finanzministerium wollte einer langfristigen Budgetanhebung offenbar vorerst nicht zustimmen. Im Windschatten der Steuerreform wurde der Forschungsgipfel auf Herbst verschoben. "Weil das Finanzministerium in den Endphasen der Steuerreform dermaßen viel zu tun hatte, hatte es zu wenig Zeit, mit uns über die kritischen Punkte der Finanzierungsziele im Gesetz abschließend zu verhandeln", erklärte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann. Er sieht "ein grundsätzliches Sparsamkeitsgebot", jedoch "keine Ablehnung des langfristigen Finanzierungsziels". Als neuen Termin für den Forschungsgipfel nannte er Mitte Oktober.

Die Verschiebung würde den FWF vorerst noch nicht aus dem Konzept bringen, sagte Tockner. Die zentrale Institution zur Förderung von Projekten der wettbewerbsorientierten Grundlagenforschung erhält heuer 206 Millionen Euro vom Bund. Bis 2021 soll die Fördersumme auf 224 Millionen anwachsen.

Höchstes Bewilligungsvolumen

Zusammengerechnet mit Mitteln des Österreich-Fonds und der Nationalstiftung könne der Wissenschaftsfonds heuer 230 Millionen Euro an Fördergeldern vergeben. "Dem FWF geht es so gut wie nie, das ist das höchste Bewilligungsvolumen, das er je hatte", sagte Faßmann. Allerdings stieg auch die beantragte Summe um 8,5 Prozent auf 949 Millionen Euro. Die Bewilligungsquote sank von 22,4 auf 22,1 Prozent. Laut Tockner konnten als exzellent eingestufte Projekte im Umfang von 50 Millionen Euro nicht gefördert werden. "Österreich hat hervorragenden wissenschaftlichen Nachwuchs, der braucht Perspektiven, damit wir ihn nicht verlieren", erklärte der FWF-Chef.

"2019 wird die Forschungsquote 3,19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) betragen", sagte Faßmann. Da das BIP aber am Steigen sei, sei von einer gewissen Abnahme zu rechnen. Österreich gibt insgesamt 12,8 Milliarden Euro für Forschung aus. Ein Drittel davon, also 4,5 Milliarden, kommt von der öffentlichen Hand, entweder direkt oder indirekt (Forschungsprämie, Uni-Finanzierung). Die direkte öffentliche Forschungsförderung des Bundes liegt bei einer Milliarde Euro, wovon die Hälfte in die Grundlagenforschung unter anderem über den FWF fließt. Hinzu kommen 200 Millionen aus europäischen Forschungsmitteln.