Innsbruck. Das Österreichische Weltraumforum (ÖWF) hat Zuwachs bekommen. Aus rund 100 internationalen Bewerbern wurden in einem aufwendigen Selektionsverfahren acht neue Analog-Astronauten ausgewählt, sagte Gernot Grömer, Administrative Director des ÖWF und Leiter der Analog-Austronauten-Ausbildung, am Montag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Analog-Astronauten testen auf der Erde, unter welchen Bedingungen Weltraummissionen stattfinden würden.

Damit erhöht sich die Anzahl der Analog-Astronauten des ÖWF auf insgesamt 14. "Das ÖWF ist die einzige Forschungseinrichtung weltweit, die auf ein bestehendes Team von Analog-Astronauten zurückgreifen kann", meinte Grömer. In einem Selektionsverfahren wurden nicht nur die Gesundheit und körperliche Fitness der Bewerber untersucht, sondern auch psychologische Faktoren und Eigenschaften, wie etwa Geduld. Die neuen Analog-Astronauten, darunter eine Frau, stammen aus Österreich, Deutschland, Großbritannien, Griechenland, den Niederlanden, Israel und Italien.

Suche nach Fehlern, um sie zu vermeiden

Fünf oder sechs der Analog-Astronauten sollen bei der nächsten Mission des ÖWF von 15. Oktober bis 15. November 2020 in der Negev-Wüste in Israel "am Mars landen". "Das Gebiet ist zwar nicht so groß wie das im Oman", sprach Grömer die letzte "Mars-Mission" an. Dafür sei es aber, sowohl was die Topografie als auch die Geologie betreffe, sehr vielfältig. Das ÖWF suche bei den Missionen nach Fehlern in Arbeitsabläufen und Geräten, damit diese nicht erst am Mars entdeckt werden und dort zu Problemen führen. Innsbruck soll, wie bereits bei den vergangenen Missionen, wieder das Houston Österreichs, also das Kontrollzentrum, sein.

In Raumanzügen, die 50 Kilogramm wiegen und die mehrere Stunden zum Anziehen benötigen, wird dann eine Mars-Mission simuliert. "Wir nehmen die größte Reise der Menschheit quasi schon vorweg", meinte Grömer, der mit einer ersten tatsächlichen bemannten Reise zum Mars in etwa 20 bis 30 Jahren rechnete. "Der erste Mensch auf dem Mars ist schon geborgen", fügte er hinzu. Der Marsanzug-Prototyp sei wie ein "Raumschiff zum Anziehen" und könne alle wesentlichen Einschränkungen eines realen Mars-Raumanzugs wiedergeben, wie etwa Gewicht, Druck-Gegenkräfte oder eingeschränkte Wahrnehmungsfähigkeit.

Der ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesende Tiroler Wissenschaftslandesrat Bernhard Tilg (ÖVP) lobte die "sehr beeindruckenden Aktivitäten" des ÖWF der vergangenen Jahre. Er wünschte insbesondere dem österreichischen Analog-Astronauten, Robert Wild, viel Erfolg für die Mission. "Wie immer auch der Weg auf den Mars aussieht, ein kleiner Teil davon wird rot-weiß-rot sein", meinte Grömer stolz. (apa)