Genf - Darmkrebs-Therapien werden oft an Krebszellen in Kulturschalen getestet. Allerdings entspricht das kaum der Situation im Körper. Schweizer Wissenschafter haben ein System vor gestellt, um den Tumor dreidimensional und Realitäts-näher nachzubilden.

Die Experten der Universität Genf und der Universitätsspitäler Genf (HUG) und Lausanne (CHUV) haben eine Plattform entwickelt, um personalisierte Therapien an dreidimensionalen Mini-Tumoren zu testen. Tumor-, Gewebe- und Blutgefäßzellen schwimmen dabei als Verband frei in Kulturmedium, können sich eigenständig zum Mini-Tumor organisieren. "Die drei Zelltypen, aus denen der Tumor besteht, interagieren weiter miteinander als wären sie im Körper des Patienten", wurde Patrycja Nowak-Sliwinska von der Uni Genf in einer Aussendung zitiert.

Die Mini-Tumore können im Kulturmedium auch weiter wachsen. So ließen sich Therapien in verschiedenen Entwicklungsstadien testen, hielt die Uni Genf fest. Dies testeten die Wissenschafter mit mehreren Kombinationen von drei zugelassenen Medikamenten. "Unsere erste Beobachtung war, dass jeder Patient unterschiedlich auf die gleiche Kombination reagierte", sagte die Forscherin. Dies zeige, dass es unmöglich sei, mit der gleichen Therapie die gleiche Wirkung bei jedem Patienten zu erreichen. Man müsse von Fall zu Fall entscheiden. Außerdem stellten die Wissenschafter fest, das eine Kombination einer geringen Dosis von drei Medikamenten besser wirkte als eine hohe Dosis nur eines Medikaments.

Probleme wie eine Resistenz gegen die Behandlung oder schwere Nebenwirkungen entstünden in der Regel, wenn die Dosis zu hoch sei, betonte die Expertin. Mit Kombinationstherapien mit geringeren Dosen ließen sich diese Probleme umgehen und die Wirksamkeit verbessern. Die Studie wurde in "Scientific Reports" publiziert. (apa)