Ein vielfältiges Netzwerk hilft

107 Nobelpreise für so bahnbrechende Entdeckungen wie die Doppelhelix der DNA gingen bisher an Wissenschafter der Universität. Erfindungen wie das Positiv-negativ-Verfahren in der Fotografie, der flexible Bildschirm oder die Webcam stammen aus ihren Labors. 4700 Firmen mit 60.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 15 Milliarden Euro wurden entweder aus der Universität gegründet oder haben Niederlassungen im Science Cluster vor den Toren der 150.000 Einwohner-Stadt. Konzerne wie ARM, marktführender Designer von Mikroprozessoren, haben ihren Hauptsitz hier im dritterfolgreichsten Innovationssystem Europas, das schwerpunktmäßig auf Dienstleistungen, Technologieproduktion, Lebenswissenschaften, Gesundheit, Informations- und Kommunikationstechnologien setzt.

Ihren Erfolg hat die Universität zwei Autostunden nördlich von London einer Öffnung der Grundlagenforschung in Richtung Industrie und umgekehrt zu verdanken. "Genialität und Kreativität haben in unserer (1206 gegründeten, Anm.) Hochschule gewissermaßen Tradition", sagt Shirley Jamieson, Chefin der Abteilung für Internationale Beziehungen von Cambridge Enterprise, mit einem Schmunzeln. Die Uni-Einrichtung zur Kommerzialisierung von Forschungsergebnissen sorgt mit Beratungsleistungen dafür, dass Wissen seinen Weg in den Markt findet. Sie ist ein Glied in einem vielfältig-komplexen Netzwerk von Institutionen, die jeden Schritt von der Idee zum Produkt begleiten.

Von der Forschung im Labor über Prototypen für Präsentationen bis hin zu industrieller Auftragsforschung, Firmengründung, Werbung und Marketing deckt Cambridge gemäß seinem Leitsatz, Exzellenz mit Sorgsamkeit zu kombinieren, alles ab. "Grundlagenforschung untermauert Ideen. Kombiniert mit einem ständigen Austausch zwischen Akademikern, Firmen, Verwaltung und NGOs ergibt das ein Erfolgsrezept", fasst Jamieson zusammen. Offenheit und strategische Weitsicht in der Forschung werden im Vereinigten Königreich großgeschrieben. Schon in den 1950er Jahren erkannte die Regierung den Stellenwert von geistigem Eigentum. Ab Mitte der 1960er Jahren knüpften die Agenturen des Research Council ihre öffentlichen Förderungen an Innovationsmodelle.

Wenn Konzerne übersiedeln

Top-Innovationsstandorte entwickelten sich in Cambridge, Oxford, Edinburgh und um das University College und das Imperial College in London. Aber auch kleinere Unis, wie Bristol oder Warwick, tragen zur Rolle Großbritanniens als führender Innovationsstandort bei. Obwohl das Land nur 1,7 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts für Forschung ausgibt, reiht es im European Innovation Scoreboard auf Platz zwei. Österreich, das bei 3,19 Prozent angelangt ist, verweilt hingegen im Mittelfeld. Experten führen dies auf strukturelle Probleme bei der Überführung von Forschung in den Markt zurück.