Wien. In Forscherköpfen spielen sich so manche verrückten Ideen ab. Ohne Neugierde, Visionen und Ausprobieren wäre die Wissenschaft heute wohl lange nicht dort, wo sie sich befindet. Wir wissen heute, dass Antimaterie existiert, und können damit experimentieren und sie bereits im medizinischen Alltag zum Einsatz bringen. Wir wissen, dass es Gravitationswellen gibt, und können sie als neues Sinnesorgan zur Erforschung des Kosmos benutzen. Und auch Schwarze Löcher sehen so aus, wie in der Theorie beschrieben.

All dem liegen mathematische Berechnungen eines Mannes zugrunde. Schon im Alter von 16 Jahren hatte Albert Einstein seine verrückten Gedankenexperimente begonnen. Unzählige Wissenschafter haben seither in den vielbesagten blauen Himmel geforscht, um die heute klaren Beweise und damit neuen Möglichkeiten hervorzubringen.

Ideen fruchten nicht nur in der Naturwissenschaft. Aber dass sie fruchten, zeigt eine unendlich lange Liste an Forschungsergebnissen, die der Öffentlichkeit regelmäßig in Form von Publikationen präsentiert werden und dieser letzten Endes auch dienen. Demgegenüber steht allerdings eine immens hohe Ausfallsquote. Denn Forscher scheitern auf großem Fuß. Und nicht nur in der Grundlagenforschung ist das der Alltag.

Die besonders dicken Fische

Doch gerade das Scheitern eröffnet Chancen - die Chance, einen besonders dicken Fisch an Land zu ziehen. Solche Breakthroughs will der Wissenschaftsfonds FWF mit einer neuen Förderschiene - dem "1000-Ideen-Programm" - hervorbringen, das im Herbst starten soll.

Derzeit hätten Forscher oft Schwierigkeiten, neue, mutige oder besonders originelle Ideen, die sich außerhalb des gängigen Wissenschaftsverständnisses bewegen, zu initiieren. Mit dem neuen Programm will der FWF "Freiraum für frische Forschungsansätze schaffen, die im späteren Verlauf neue Forschungsfelder wachsen lassen", heißt es in einer Aussendung des FWF - Österreichs zentraler Einrichtung zur Förderung der Grundlagenforschung.

Die Erfolgswahrscheinlichkeit der Umsetzung sei dabei absolute Nebensache. Der "Mut zum Scheitern" hingegen integraler Bestandteil des Programms. Es richtet sich vor allem an junge Forscher, denen besonders visionäre und verrückte Ideen nachgesagt werden. Schätzungen zufolge liegt das Scheitern in der Wissenschaften in einer Höhe von mindestens 90 Prozent - wenn nicht sogar noch viel höher. Für den FWF sei von Bedeutung, möglichen Breakthroughs, die das Potenzial haben, neue Bereichen zu kreieren oder in neue Bereiche vorzustoßen, Tür und Tor zu öffnen.

"Mit den ,1000-Ideen‘ fördern wir den Mut zum Risiko. Das Programm ermutigt Forscher, völlig neue Ansätze und Kooperationen zu wagen", erklärte FWF-Präsident Klement Tockner in einer Aussendung. Wesentliche Entscheidungskriterien im Vergabeverfahren sind "Originalität, transformatives Potenzial sowie die schlüssige Planung der Umsetzung".

Einreichphase im Herbst

Die Einreichphase für die erste Ausschreibung soll im Herbst starten, weitere Ausschreibungen sind 2020 und 2021 geplant. Dafür stehen jeweils rund drei Millionen Euro zur Verfügung. Die Regierung hatte 2016 ein mehrjähriges Forschungs-Förderungspaket beschlossen, das dem Wissenschaftsfonds zwischen 2018 und 2021 in Summe 281 Millionen Euro zusätzliche Mittel beschert. Daraus soll nun unter anderem das neue Programm finanziert werden. Die Förderung - voraussichtlich maximal 150.000 Euro pro Projekt - ist dabei als Anschubförderung gedacht.