Washington. Als Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins vor 50 Jahren zum Mond aufbrachen, waren im Kontrollzentrum der US-Raumfahrtbehörde Nasa viele aufgeregte Männer zu sehen - und genau eine Frau. "Ich habe einfach Raketentreibstoff in meinen Adern", sagt die heute 78 Jahre alte JoAnn Morgan in einem Interview dazu. Sie erinnert aber auch an den Sexismus zur Zeit der Mondlandung.

Heute arbeiten Frauen auf der Internationalen Raumstation ISS. In Bremen trommelt die private Initiative "Die Astronautin" für die erste deutsche Frau nach "Astro-Alex". Doch bei der Frauen-Quote im Weltall gibt es Luft nach oben.

JoAnn Morgan kam 1958 zur Nasa und arbeitete sich bis zum "Apollo"-Programm hoch. Ihre Anwesenheit beim Start von "Apollo 11" 1969 hatte im Vorfeld für heftige Diskussionen gesorgt und musste offiziell vom damaligen deutschen Chef des Kontrollzentrums, Kurt Debus, abgesegnet werden. "Es gab Widerstand", sagt Morgan. Frauen waren nicht vorgesehen - es gab im Gebäudeteil noch nicht einmal eine Damentoilette.

JoAnn Morgan war 1969 die einzige Frau im Kontrollraum der Nasa, als drei Astronauten zum Mond flogen. (Foto von 1995) - © Wikimedia Commons, Flickr, State Library And Archives of Florida
JoAnn Morgan war 1969 die einzige Frau im Kontrollraum der Nasa, als drei Astronauten zum Mond flogen. (Foto von 1995) - © Wikimedia Commons, Flickr, State Library And Archives of Florida

Nasa war "Meer an Sexismus"

Morgans Kollegin Frances "Poppy" Northcutt erinnert sich, wie Frauen bei der Nasa damals in einem "Meer an Sexismus" schwammen. "Es war überall, immer, wie die Schwerkraft", sagt sie. Gefeiert wurden ausschließlich die Herren der Schöpfung. Alle zehn US-Astronauten, die nach den ersten beiden bis 1972 den Mond betraten - Männer. Auch alle 13 bisherigen Chefs der Nasa - Männer.

Bei den Russen lief das ganz anders. Bereits 1963 schossen sie Kosmonautin Valentina Tereschkowa in den Weltraum. Die erste Nasa-Astronautin Sally Ride musste sich dagegen noch Ende der 1970er-Jahre die Frage gefallen lassen, ob 100 Tampons für den Trip ins All wohl ausreichen.

Aber auch die Vereinigten Staaten wandelten sich. Von den 347 US-Astronauten, die bisher ins All abhoben, waren immerhin 49 Frauen. Heute ist fast die Hälfte des Teams weiblich, dazu ein Drittel der etwa 15.000 Nasa-Mitarbeiter. Bei der Kult-Serie "Star-Trek" kommandierte ab 1995 Captain Kathryn Janeway. Der Erfolgsfilm "Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen" brachte dem Thema Frauen 2016 weltweite Aufmerksamkeit. Es ist die wahre Geschichte dreier afro-amerikanischer Nasa-Mitarbeiterinnen, die mit ihren Berechnungen die Grundlagen für die bemannte Raumfahrt legten.

Frauenanteil bei der ESA seid 20 Jahren unverändert