Bei der Europäische Weltraumorganisation ESA gibt es seit 1988 gemischte Teams. Seit 20 Jahren ist der Anteil von 15 Prozent Frauen unter den Bewerbern aber gleich geblieben. Jüngst stellte die Italienerin Samantha Cristoforetti mit fast 200 Tagen im Weltraum einen Frauen-Rekord auf.

Jüngst stellte die Italienerin Samantha Cristoforetti mit fast 200 Tagen im Weltraum einen Frauen-Rekord auf. - © APAweb, afp, Nasa, Bill Ingalls
Jüngst stellte die Italienerin Samantha Cristoforetti mit fast 200 Tagen im Weltraum einen Frauen-Rekord auf. - © APAweb, afp, Nasa, Bill Ingalls

In Bremen hat es Claudia Kessler gereicht, dass immer nur deutsche Männer ins All fliegen. Alexander Gerst, bekannt als "Astro-Alex", nun sogar schon zwei Mal. Kessler, Luft- und Raumfahrttechnikerin, ist Personalvermittlerin in der hoch spezialisierten Weltraum-Branche. 2016 startete sie mit Verve privat den Wettbewerb "Die Astronautin" - mit dem Ziel, 2020 eine Frau aus Deutschland zur ISS zu schicken.

Anfangs als PR-Gag belächelt, geriet der ungewöhnliche Wettbewerb schnell zu einer Frauenpower-Schau. Mehr als 400 ernsthafte Kandidatinnen bewarben sich - darunter Ingenieurinnen, Kampfpilotinnen und Physikerinnen. 90 absolvierten in einer zweiten Runde die notwendigen psychischen und medizinischen Tests beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Initiative fehlt Geld

Das Rennen machten am Ende die Heidelberger Meteorologin Insa Thiele-Eich und die Kölner Astrophysikerin Suzanna Randall - beide promoviert. Die Ausbildung zur Astronautin absolvieren sie gerade, Piloten- und Tauchscheine sind schon gemacht. Das Training für die Schwerelosigkeit läuft. Eine Möglichkeit zum Start gäbe es im Herbst 2020, sagt Astronautin-Sprecherin Inka Helmke. "Ein amerikanischer Startanbieter hält zurzeit einen "Seat" in seiner Kapsel frei."

Doch was der Initiative weiter fehlt, ist Geld - viel Geld. "Wir haben in die Ausbildung und Vorbereitungen dieser Mission bereits fast eine Million Euro gesteckt", berichtete Helmke. Dank vieler Unterstützer und Kooperationspartner wie Airbus und DLR sei das möglich gewesen. Doch der reine Flug zur ISS mit zehn Tagen Aufenthalt und dem nötigen, rund neunmonatigen Training in den USA koste rund 50 Millionen US-Dollar. Diese Summe fehlt. "Wir hoffen auf eine Beteiligung aus Berlin", sagte Helmke. Nach elf steuerfinanzierten Männern sollte eine Beteiligung an einer Mission der ersten deutschen Frau im All doch möglich sein, fand sie. Und wenn nicht im nächsten Jahr, dann eben später.

Anlässlich des 50. Jubiläums der Mondlandung will die Nasa noch einen Schritt weiter gehen. "Die erste Frau und der nächste Mann auf dem Mond werden beide amerikanische Astronauten sein, die mit amerikanischen Raketen von amerikanischem Boden abgehoben sind", hat US-Vizepräsident Mike Pence im März angekündigt. Es werde eine der zwölf Frauen sein, die derzeit unter den 38 aktiven Astronauten der Nasa sind, sagte der Chef der Raumfahrtbehörde Jim Bridenstine dem TV-Sender CNN. "Ich denke, dass das für junge Frauen nicht nur in unserem Land, sondern weltweit alles verändert." (apa, dpa)