Wien. Ethiker aus Österreich und Deutschland sind gegen eine pauschale Ablehnung der Forschung zu Mensch-Tier-Mischwesen, die die japanische Regierung am 31. Juni genehmigt hat. Die Entwicklung müsse aber wachsam beobachtet werden.

Barbara Prainsack von der Uni Wien plädiert dafür, das Problem der Organknappheit politisch anzugehen, bevor man derart "gravierendere Maßnahmen" ergreift. Prainsack plädierte im Gespräch mit der APA dafür, dass sich Menschen für Organspenden nach ihrem Tod nicht extra registrieren müssen, sondern wie schon jetzt in Österreich grundsätzlich jeder, der nicht explizit widerspricht, Spender werden kann. "Es gibt vieles, was man tun kann, bevor man den Schritt tut und sagt: Ich experimentiere mit Tieren herum", so die Politikwissenschafterin, die auch in der österreichischen Bioethikkommission sitzt.

Bruch eines Tabus

Sie hat zwar keine prinzipiellen Bedenken gegen die Forschung des japanischen Biomediziners Hiromitsu Nakauchi, damit werde allerdings ein klassisches Tabu unserer Gesellschaft gebrochen. "Hier wird die Trennung zwischen Mensch und Tier aufgehoben, darauf sind wir nicht vorbereitet." Weder Recht noch Ethik sei auf ein solches Wesen eingestellt. Und dass mit der Züchtung von menschlichen Organen in Tieren bereits ein solches Zwischenwesen entsteht, steht für Prainsack außer Frage. Man könne das Einsetzen der induzierten pluripotenten Stammzellen (iPS-Zellen) nicht isoliert sehen, es werde durch einen solchen Eingriff immer der gesamte Organismus beeinflusst.

Dass die Forscher die Experimente laut Ankündigung abbrechen wollen, wenn im Gehirn mehr als 30 Prozent menschlicher Zellen entdeckt werden sollten, ist für Prainsack deshalb auch nicht nachvollziehbar. Immerhin würde es dafür eine verlässliche Methode brauchen, um jede einzelne Chimäre zu überwachen. Ihr fehlt auch eine Basis für die 30-Prozent-Grenze. "Wir kommen da in einen sehr gefährlichen Bereich hinein, wo man willkürliche Grenzen zieht, ohne dass es dazu eine gesellschaftliche oder demokratische Debatte gibt."

Tierethische Fragen

Der Bioethiker Ulrich Körtner von der Uni Wien äußert auf science.orf.at ebenfalls keine grundsätzlichen Bedenken gegen die Experimente, "weil es sich bei diesen Mensch-Tier-Hybriden nicht um werdende Menschen mit Menschenwürde handelt". Sollten allerdings im Lauf der Embryonalentwicklung menschliche Zellen in das Gehirn des Mischwesens eindringen und dieses menschliche Eigenschaften entwickeln, wäre für ihn "eine ethisch zulässige Grenze überschritten". Auch er sieht außerdem eine Reihe von tierethischen Fragen.