Auch deutsche Ethiker warnen davor, dass im Zuge der Experimente menschliche Zellen in die Gehirne der Tiere eindringen könnten. Für die Kölner Medizinethikerin Christiane Woopen, Vorsitzende des Europäischen Ethikrats, sind die Pläne dennoch keine Grenzüberschreitung. Voraussetzung sei, dass keine Fähigkeiten im Tier entstünden, die sonst nur bei Menschen vorkämen, sagte sie im Deutschlandfunk. "Wenn wir plötzlich ein Schwein haben, das Goethe-Gedichte zitiert, dann wäre natürlich eindeutig eine ethische Grenze überschritten."

Linderung im Vordergrund

Auch für den Vorsitzenden des Deutschen Ethikrats, Peter Dabrock, sind die Versuche prinzipiell gerechtfertigt. Immerhin sei die Linderung menschlichen Leids ein hochrangiges Forschungsziel, sagte er im ZDF. Er fordert allerdings eine Diskussion darüber, wie weit man Tiere für die Gewinnung menschlicher Organe für sterbenskranke Menschen leiden lassen bzw. diese töten dürfe.

Generelle Vorbehalte äußerte in der deutschen Katholischen Nachrichten-Agentur der katholische Moraltheologe Andreas Lob-Hüdepohl. Er bezweifelt, dass sich Veränderungen des Tierembryos durch menschliche Stammzellen so begrenzen lassen wie von den Forschern geplant. Für ihn würde die Grenze zwischen Mensch und Tier "in unzulässiger Weise porös". Der deutsche Molekularmediziner Eckard Wolf hält die Versuche der Japaner aber für ohnehin nicht aussichtsreich.

Weitere Versuche

Das Forscherteam um Hiromitsu Nakauchi von der Universität Tokio will zunächst in Embryos von Mäusen iPS-Zellen von Menschen einpflanzen. Diese genmanipulierten Embryos können selbst keine eigene Bauchspeicheldrüse entwickeln. Die Forscher wollen in der Folge herausfinden, ob in den heranwachsenden Föten dann Bauchspeicheldrüsengewebe aus den menschlichen Stammzellen entsteht und auch, ob sich die Stammzellen woanders im Körper der Mäuse verbreiten. Das Team will iPS-Zellen zudem in weiteren Versuchen auch in Embryos von Affen und Schweinen einpflanzen, diese aber früh töten. Ziel ist es, eines Tages Menschen zu helfen, die bisher vergeblich auf ein Organ warten. (apa)