Graz. Biobanken sind Sammlungen von Proben wie Gewebe, Blut und Plasma und das Fundament medizinischer Forschung. Von Graz aus wird die europäische Biobanken-Forschungsinfrastruktur BBMRI-ERIC aufgebaut und betreut.

Für die Forschung ist diese Infrastruktur unverzichtbar geworden: Sie soll helfen, neue diagnostische Methoden und Therapien zu entwickeln, Krankheiten können dann bereits anhand feiner molekularer Unterschiede diagnostiziert werden. Durch die umfassende Analyse von Blut-, Gewebe- und anderen Proben von gesunden und kranken Menschen lässt sich das Wissen für eine solche Präzisionsmedizin erarbeiten, erklärt Kurt Zatloukal, Direktor des österreichischen Knotenpunktes BBMRI.at und Infrastruktur-Initiator. Das funktioniert aber nur dann, wenn die bereitgestellten Proben von einheitlich hoher Qualität sind und Forscher einen guten Zugang auf ausreichend große Probenzahlen haben, wie Zatloukal hervorhob.

Kurt Zatloukal ist  Direktor des sterreichischen Biobanken-Knotenpunktes der europäische Biobanken-Forschungsinfrastruktur BBMRI-ERIC. - © APAWeb /Apa/MEDUNI GRAZ/HELMUT LUNGHAMMER
Kurt Zatloukal ist  Direktor des sterreichischen Biobanken-Knotenpunktes der europäische Biobanken-Forschungsinfrastruktur BBMRI-ERIC. - © APAWeb /Apa/MEDUNI GRAZ/HELMUT LUNGHAMMER

20 Millionen Proben in der virtuellen Biobank

Der Grazer Pathologe hat sich seit mehr als einem Jahrzehnt darum bemüht, dass die über ganz Europa verteilten Sammlungen von biologischem Material - die sogenannten Biobanken - zu einer einzigen virtuellen Biobank zusammengeführt werden. Parallel dazu werden nun Technologien und Standards entwickelt. Angesiedelt sind die "Europäische Forschungsinfrastruktur für Biobanken und biomolekulare Ressourcen" (BBMRI-ERIC) und der seit fünf Jahren bestehende Österreich-Knotenpunkt BBMRI.at im "Zentrum für Wissens-und Technologietransfer in der Medizin" (ZWT) in Graz.

Dort ist auch die Biobank Graz der Med-Uni Graz untergebracht. Mit mehr als 20 Millionen menschlicher Proben sowie dazugehörenden klinischen Daten zählt sie zu einer der größten Europas. Die seit etwa drei Jahrzehnten gesammelten Bioproben werden etwa in Paraffin eingebettet oder in flüssigem Stickstoff bei minus 196 Grad Celsius aufbewahrt. "Wir sammeln für die Zukunft der biomedizinischen Forschung", so Zatloukal. Datenschutz und -sicherheit spielen bei dieser Entwicklung eine besonders wichtige Rolle. Proben und Daten werden von der Biobank Graz vor der Übergabe an die Forscher daher anonymisiert, so dass kein Rückschluss auf den einzelnen Spender möglich ist.

 Einheitliche Standards sind nötig

Die Qualität der europäischen Biobanken ist allerdings nicht überall einheitlich hoch. Gemeinsam mit Netzwerkpartnern in ganz Europa wurde bereits ein Qualitätsmanagement-Tool zur Überprüfung der Probenqualität entwickelt, soZatloukal.