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Wien. Japanische Forscher wollen menschliche Organe in Tieren heranzüchten. Vor wenigen Wochen startete ein Forschungsprojekt der Universität Tokio mit menschlichen Stammzellen, die in Tierembryonen eingepflanzt und von den Muttertieren bis zur Geburt ausgetragen werden sollen. Japan ist das erste Land, das solche Forschung mit Steuergeldern fördert. Der Stammzellforscher Jürgen Knoblich, Direktor des Instituts für Molekulare Biotechnologie (Imba) in Wien, sieht darin nur dann ein ethisches Problem, wenn Tiere allzu menschliche Züge annehmen.

"Wiener Zeitung": Japanische Forscher schaffen Ratten und Mäuse mit menschlichen Genen mit dem Ziel, in ihnen Organe zu Transplantationszwecken heranwachsen zu lassen. Das Land gestattet es auch, dass diese Chimären zur Welt kommen. Sind Staatsgelder für Mensch-Tier-Mischwesen und deren Austragung ein ethischer Dammbruch? Oder sind sie oder nur eine Konsequenz dessen, was bereits im Kleineren gemacht wird - bisher im Labor und mit einer Lebensdauer von wenigen Tagen, jetzt bis zur Geburt?

Jürgen Knoblich geboren 1963 im deutschen Memmingen, ist wissenschaftlicher Direktor (interimistisch) des Wiener Instituts für Molekulare Biotechnologie der Akademie der Wissenschaften. Er studierte Biochemie an der Uni Tübingen und Molekularbiologie am University College London. Nach einem Post-Doc an der University of California wurde der Stammzellforscher Gruppenleiter am Institut für Molekulare Pathologie in Wien und unter Josef Penninger Stellvertretender wissenschaftlicher Direktor des Imba. - © apa/Pfarrhofer
Jürgen Knoblich geboren 1963 im deutschen Memmingen, ist wissenschaftlicher Direktor (interimistisch) des Wiener Instituts für Molekulare Biotechnologie der Akademie der Wissenschaften. Er studierte Biochemie an der Uni Tübingen und Molekularbiologie am University College London. Nach einem Post-Doc an der University of California wurde der Stammzellforscher Gruppenleiter am Institut für Molekulare Pathologie in Wien und unter Josef Penninger Stellvertretender wissenschaftlicher Direktor des Imba. - © apa/Pfarrhofer

Jürgen Knoblich: In diesem konkreten Fall geht es um Arbeiten, die in Fachkreisen bekannt sind, denen durchaus Potenzial zugeschrieben wird und die auch in vielen europäischen Ländern nicht illegal wären. Die Terminologie ist ein bisschen irreführend. Unter einem Mischwesen würde ich mir ein Lebewesen vorstellen, dessen äußeres Erscheinungsbild zwischen zwei Spezies läge. Davon sind wir weit entfernt.

Muss die Maus Hasenohren haben, damit wir sie Mischwesen nennen?

Ja, rein emotional würden die meisten Menschen auf Mäuse mit Hasenohren negativ reagieren. Aber um einen derartigen Blödsinn geht es hier nicht. Sondern es geht darum, einzelne Zellen in Mäusen zu züchten. Einerseits muss man sich der ethischen Problematik bewusst sein. Andererseits muss man sich in die Situation von Menschen hineinversetzen, die über Jahr hinweg keine Spenderniere bekommen oder Angehörige verlieren, weil keine zur Verjüngung steht. Welcher wissenschaftliche Ansatz letztlich zum Erfolg führt, muss sich weisen, aber dieser aus Japan ist nicht von vornherein abzulehnen.

Anders gefragt: Muss eine Maus gezwungenermaßen eine menschliche Bauchspeicheldrüse in sich heranwachsen lassen, weil ein Genießer Diabetes Typ 2 bekommt?

Eine Maus, in der eine menschliche Bauchspeicheldrüse wächst, wird es nicht geben, weil die Größenverhältnisse nicht stimmen. Das größte Problem, das das Team um Hiromitsu Nakauchi zu lösen hat, ist, dass sich Zellen verschiedener Spezies nicht miteinander vertragen. Es gelangen ihm Mäuse, die einen Ratten-Pankreas hatten. Aber wie weit sich menschliche Zellen in Nagern entwickeln, muss sich noch weisen. Die wahre ethische Barriere liegt aus meiner Sicht darin, dass fremde Zellen nicht das Gehirn eines Organismus besiedeln dürfen. Solange diese Voraussetzung gegeben ist, wäre so etwas selbst in Deutschland nicht illegal, weil der Gesetzgeber es zum Zeitpunkt der Verabschiedung nicht vorhersah.