In der Schweiz gibt es zahlreiche forschende Unternehmen. Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit mit der Industrie?

Die Zusammenarbeit mit der Industrie ist wichtig, wobei sich Medizin oder Wirtschaftswissenschaften traditionell besser eignen als etwa englische Literatur. Allerdings benötigen mittlerweile auch Linguisten Drittmittel für Hochleistungsrechner. Sie sind auf einmal genau so teuer wie die Physiker, weil sie neue Forschung machen. Auch Verhaltensökonomen, die früher mit Papier unterwegs waren, betreiben heute Magnetresonanzmaschinen.

Forschungsinfrastruktur wird immer teurer. Braucht der Innovationskaiser Schweiz mehr Geld?

Um im Bereich Innovation an der Spitze zu bleiben, braucht die Schweiz mehr Geld. Das Bestehende ist teuer und es kommt durch die Digitalisierung Neues dazu. Wenn wir den Anschluss nicht verlieren wollen, müssen wir jetzt investieren.

Droht der Schweiz den Anschluss an die Digitalisierung zu verlieren?

Allen droht dies. China investiert Milliarden in Künstliche Intelligenz. Die Schweiz kann sich keine Milliarden leisten. Wenn wir überhaupt mitmachen wollen, müssen wir überlegen, mit welchen Themen wir uns stark positionieren können.

Welche Kombination macht das Nicht-EU-Mitglied Schweiz so erfolgreich in der Forschung?

Solide und stabile Finanzen, Autonomie und Offenheit verbunden mit Internationalität. 57 Prozent der Forscher hier haben keinen Schweizer Pass. Gleichzeitig sind wir nach Indien das Land mit der größten Diaspora an Wissenschaftern, weil wir sie nach draußen schicken. Als Post-Doc kriegen Sie nur ein Fellowship vom Nationalfonds, wenn Sie ins Ausland gehen. Viele bleiben dort, dafür kommen andere. Jedoch haben wir eine strukturelle Schwäche. Der bilaterale Weg zwischen der Schweiz und der EU hat hunderte Verträge gebracht, die anders als das EU-Recht nicht dynamisch sind. Derzeit stockt im Umfeld des Brexit der Abschluss eines neuen Rahmenvertrags, weswegen unsere Teilnahme am nächsten EU-Forschungsrahmenprogramm unsicher ist. Das wäre, wie wenn die Schweiz nicht mehr an der Champions League der Forschung teilnehmen könnte. Es hätte gravierende Folgen.

Was kann die Schweiz von Österreich lernen?

Wenn Unis nur noch eine Durchlaufstelle sind, haben sie einen Teil ihrer Seele verloren. Sie sind dann zwar technisch gut, aber es fehlt ihnen das Reflexive. Österreich hat einen Zugang zu Bildung, der dem Renaissance-Gedanken entspricht. Zudem sind die Unis in Österreich enger in das politisch-gesellschaftliche System einbezogen. In der Schweiz würde kein Rektor Bundesrat, so wie Heinz Faßmann Minister. Die Idee, mehr mit der Gesellschaft zu interagieren, die uns finanziert, kommt bei uns erst graduell an.