New York. Gene, die Tumore wachsen lassen, Chips, die Computer zur Festung machen, und Moleküle, die Medikamente nur dann im Körper freisetzen, wenn sie zusammenpassen wie zwei Legosteine: Für Publikationen zu diesen Themen erhielten drei Wissenschafter am Samstagabend in New York die höchsten Auszeichnungen für österreichische Forschende in Nordamerika. Wissenschafts- und Bildungsministerin Iris Rauskala ehrte Manuel Egele, Johannes Reiter und Hannes Mikula mit den diesjährigen Ascina Awards für außerordentliche Forschungsleistungen in den USA.

Die Preise werden in den Kategorien "Junior Principal Investigator" (JPI) und "Young Scientist" (YS) für exzellente wissenschaftliche Arbeiten vergeben und vom Ascina-Netzwerk heimischer Forschender in Nordamerika ausgeschrieben. Das Bildungs- und Wissenschaftsministerium dotiert die Auszeichnungen mit Preisgeldern von 10.000 Euro (JPI) und zwei Mal 7500 Euro (YS). Die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger erfolgt durch den Wissenschaftsfonds FWF auf der Basis einer internationalen Begutachtung.

Preisträger Johannes Reiter. - © David Keith
Preisträger Johannes Reiter. - © David Keith

Der in Dornbirn geborene Informatiker Manuel Egele (37), seit 2014 Assistenzprofessor für Electrical and Computer Engineering an der Boston University, erhielt den Hauptpreis des "Junior Principal Investigator" für eine Arbeit über Computer-Sicherheit. "Ich arbeite mit Viren, die Rechner in Smartphones oder Tablets bedrohen", erklärte Egele bei der Preisverleihung. Der Computerwissenschafter, der an der Technischen Universität (TU) Wien studiert hat, analysiert das Mikroarchitekturverhalten von Schadsoftware. Konkret: "Computersicherheit in ihrer Ganzheit."

Preisträger Hannes Mikula. - © David Keith
Preisträger Hannes Mikula. - © David Keith

Frühere Virenerkennung in Programmen

Während herkömmliche Viren-Filter Software nach dem Aussehen beurteilen und wenn nötig blockieren, prüft Egeles System andere Ebenen. Die Mikroarchitektur bestimmt, wie Software sich verhält. Egeles Prüfungssystem soll erkennen, ob ein Programm von Hackern angegriffen wurde, noch bevor herkömmliche Viren-Wächter dies merken. Die ausgezeichnete Arbeit ist Teil eines Forschungsprojekts der US-National Science Foundation, das mit 1,2 Millionen Dollar gefördert wird. Egele hat seine Arbeit im Vorjahr auf der Asia Conference on Computer and Communications vorgestellt.

"Young Scientist" Johannes Reiter (33) verweist auf eine Veröffentlichung im renommierten Fachmagazin "Science". Er ist ebenfalls Computerwissenschafter, wendet aber seine Kenntnisse in einem anderen Fachgebiet an. Der in St. Pölten geborene Informatiker untersucht die Mutationen von Krebs-Metasthasen mit Hilfe von biomathematischen Formeln. Seine Erkenntnis, dass sich diese genetisch kaum vom Primärtumor unterscheiden, ist in der maßgeschneiderten Medizin relevant für die Wahl der Therapie. Reiter studierte ebenfalls an der TU Wien und wechselte für den PhD zum Institute of Science and Technology (IST) Austria in Maria Gugging. Nach einem Postdoc an der Universität Harvard wurde er Professor an der Universität Stanford.

Der zweite "Young Scientist" ist der Burgenländer Hannes Mikula (36). In seiner im "Journal of the American Chemical Society" veröffentlichten Arbeit beschreibt er einen neuartigen Ansatz, Medikamente im menschlichen Körper zu deponieren. "Wir spielen molekulares Lego, indem wir Moleküle spalten und verknüpfen. Konkret arbeiten wir an chemischen Reaktionen, die sicher in lebenden Organismen durchgeführt werden können", sagt Mikula.

Chancen für die Krebstherapie

Wer will Chemie im Körper? Zum Beispiel Krebspatienten. Der Informatiker und sein Team arbeiten daran, dass chemische Verbindungen mit therapeutischer Wirkung gezielt, sicher und ohne Nebenwirkungen in Körper abgegeben werden können, indem sie die zuständigen Moleküle im richtigen Moment spalten. Das passiert, wenn zwei Substanzen – der Wirkstoff und sein Träger – wie Legosteine zu einander passen, sagt Mikula.

Die Ascina Awards wurden bei der 16. Jahrestagung österreichischer Wissenschafter in Nordamerika, dem Austrian Research an Innovation Day (ARIT), vergeben, den die "Wiener Zeitung auf Einladung von Wissenschaftsministerium und Forschungsrat besuchte. Ob aber der ARIT in seiner jetzigen Form auch nächstes Jahr stattfinden kann, muss sich weisen. Denn die Tagung wird vom Office of Science and Technology Austria (Osta) organisiert, dessen Ausrichtung derzeit intensiv diskutiert wird und dessen Budget nur noch bis Ende des Jahres gesichert ist.,

Das 2001 gegründete Osta fungiert als wissenschaftliche Botschaft Österreichs in Nordamerika und China. Es ist durch eine Rahmenvereinbarung zwischen den Ministerien für Wissenschaft, Infrastruktur, Wirtschaft und Äußeres geregelt. Das Infrastrukturministerium (BmVit) hat jedoch entschieden, aus der Vereinbarung auszusteigen und eigene Technologie-Attaches nach Washington, Peking, Tel Aviv und Djakarta zu entsenden. Und da der Vertrag den Ausstieg aus nur einem Standort verbietet, endet die Unterstützung des BmVit nicht nur für Washington, sondern auch für Peking. Damit fällt ein Drittel des Gesamtbudgets auf einen Schlag weg.

"Das Ziel des Osta in Nordamerika war, österreichische Forscher zurückzuholen. Das ist nicht geglückt, doch ein Wissenschafter-Netzwerk ist nicht unser Anliegen. Unser Ziel ist, österreichische Technologien in andere Länder zu vermarkten", begründet Gernot Grimm, interimistischer Sektionschef für Innovation und Telekommunikation des BmVit, im Telefonat mit der "Wiener Zeitung" den Schritt.

Im Wissenschaftsministerium sieht man es anders. Hier führt man an, dass jedes Jahr ein neues Arbeitsprogramm in Abstimmung mit der Osta-Leitung erarbeitet würde. "Wissenschafterinnen und Wissenschafter zurückzuholen, war in den letzten Jahren nicht der explizite Auftrag des Osta. Sondern der Auftrag war, vernetzt zu bleiben, denn die Grundidee der Internationalisierung ist ja keine Diaspora. Sie bedeutet nicht, dass wir alle Leute wieder national haben wollen", betonte Wissenschaftsministerin Iris Rauskala am Rande des ARIT vor Journalisten. "Wir können als kleines Land nur gewinnen, wenn wir versuchen, einen gemeinsamen Nenner auszuarbeiten."

Das Osta zählt rund 3000 Forschende zu seinem Netzwerk. Die diplomatische Leitung stellt das federführende Außenministerium. Die anderen Ressorts finanzieren den laufenden Betrieb und das Personal vor Ort, wobei beide Osta‘s mit insgesamt 690.000 Euro budgetiert sind. "Wenn das BmVit aussteigt, müssen wir die Aktivitäten auf das verbliebene Budget und die eigenen Aktivtäten zuschneiden, uns also auf unsere eigenen Aufgabenstellungen fokussieren" erklärte Heribert Buchbauer, zuständig für internationale Wissenschaftspolitik im Bmbwf, am Samstag in New York. Das Wissenschaftsministerium bringt 230.000 Euro für die Wissenschafts-Außenstellen auf.

"Lifeline nach Österreich"

Vernetzung im Namen der Grundlagenforschung, Technologie-Vermarktung in jenem der angewandten Forschung, Export als Ziel der Wirtschaft? "Wir wären gut beraten, eine vernünftige internationale Dachmarke zu schaffen, die nach außen für alles steht, wo Österreich stark ist, und diese Marke für unterschiedliche Weltregionen auszudifferenzieren", sagte Rauskala. "Die Schweizer schaffen es exzellent, ihre Interessen so zu verknüpfen, dass sie nach außen unter der Dachmarke Schweiz auftreten. Daran sollte man sich orientieren."

Eine Evaluierung, die im Oktober veröffentlicht wird, bescheinigt dem System Osta Stärken und Schwächen. Zu den Schwächen zählt laut Wissenschaftsministerium eine zu wenig langfristige Strategie, zu den Stärken die erfolgreiche Vernetzung. "Insgesamt ist die Analyse positiv, denn mit dem Osta wurde etwas geschaffen, das andere Länder so nicht haben, nämlich den Wissenschaftern zu signalisieren, dass wir Interesse an ihnen haben, wenn es für sie einmal interessant wird, zurückzukommen. Wir sollten nicht auf die Idee kommen, das Osta groß zu verändern. Aber es gibt Nachbesserungsbedarf", sagte Rauskala. In diese Rubrik fallen exaktere Kenntnisse der Forschungsschwerpunkte und die notwendige, intensivere Nutzung der Ergebnisse der Forschenden im Netzwerk auch in Österreich. "Auf dieser Basis müssen wir Österreich international so zu positionieren, dass es stärker wahrgenommen wird. Das ist eine Aufgabe für die nächste Bundesregierung", betont die Wissenschaftsministerin. Eine "Zerspragelung" in Attaches für Technolgie und Grundlagenforschung auf der einen, Botschafter auf der zweiten und Wirtschaftsvertretern auf der dritten Seite sei eher kontraproduktiv.

"Das Osta ist wie eine Lifeline zurück nach Österreich", sagt Ascina-Präsident Dietrich Haubenberger. Der freiwilligen-Verein wurde sogar ursprünglich vom offiziellen Österreich angestoßen. "Die Plattform Osta ist dafür verantwortlich, dass unser Verein ein Best Practise-Model ist in der ganzen Welt, und dass wir von den Möglichkeiten zu Hause erfahren. Ideal wäre eine gemeinsame Dach-Organisation, anstatt dass man drei oder vier verschiedene Nummern wählen muss."