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Wien. Über 200 Jahre galt das humanistische Ideal von Wilhelm von Humboldt, wonach der Betrieb von Universitäten und Hochschulen auf zwei Säulen ruhen solle: auf Forschung und Lehre. Heute aber liegt die politische und wissenschaftliche Entwicklung nicht wie zu Zeiten der deutschen Aufklärung in den Händen einer Elite, sondern sie ist das Ergebnis eines breiten gesellschaftlichen Diskurses. Und so wird von den Hochschulen erwartet, auch eine dritte Säule zu entwickeln.

Im Austausch mit Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sollen Universitäten und Fachhochschulen auf der Basis von Wissen die Entwicklungen aktiv mitgestalten. Sie müssen sich einbringen. Forschung muss Wirkung haben und diese Wirkung ist auch entscheidend für die Finanzierung. Die Hochschulen müssen gesellschaftlich relevant und unternehmerisch sein und sich öffnen. Kinder-Unis, Weiterbildung, Tage der offenen Tür, Vorlesungen für die Öffentlichkeit und Gründerförderung zählen zu den Spielvarianten.

Was die Third Mission genannte Öffnung für die Planung bedeutet, wurde am Dienstag bei der fünften "Fachtagung Sciencefundraising" in Wien diskutiert. Denn obwohl Österreich kaum Tradition im Mäzenatentum hat, unterstützen heimische Unternehmen gemeinnützige Einrichtungen mit immerhin 100 Millionen Euro im Jahr.

In den öffentlichen Budgets ist die Third Mission nicht eigens angeführt. Bund und Länder sollten zusätzlich honorieren, was die Unis an Wissenstransfer zu leisten haben, "zumal diese einen neuen Grundauftrag wahrnehmen und keine reine PR machen", sagte Bildungsforscher Lorenz Lassnigg vom Institut für höhere Studien in Wien. Etwas Derartiges würde in Ländern wie dem Vereinigten Königreich diskutiert. Heribert Wulz vom Wissenschaftsministerium sah es anders. "Man muss differenzierter hinschauen, wie die Globalbudgets bemessen und verwendet werden. Sie werden für Lehre, Forschung und Infrastruktur vergeben. In diese Bereiche fällt eine große Zahl an Herausforderungen und Aktivitäten", sagte der Stellvertretende Sektionschef für Universitäten. Einige davon seien in der dritten Mission angesiedelt.

"Tatsache ist aber, dass die Säule 3 (Infrastruktur, Anm.) schrumpfen soll", entgegnete die Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien, Edeltraud Hanappi-Egger. "Wenn wir Spenden akquirieren, um die Third Mission zu finanzieren und vielleicht Reserven bilden, darf das nicht durch Budgetkürzungen in der Folgeperiode bestraft werden." Ansonsten würde gesellschaftliche Relevanz für die Unis zum "Nullsummenspiel" oder wiege negativ. In jedem Fall müsse eine Uni, die Mäzene sucht, klar überlegen, was ihre dritte Mission ist. Insbesondere für Massen-Universitäten sei dies "nicht ganz leicht", berichtete Beatrice Weinelt, Leiterin der Abteilung "Fundraising und Alumni" der Universität Graz, die für ihr Projekt "430 Sessel für die Uni Graz", bei der man Stühle in einem neuen Hörsaal erwerben konnte, mit dem Fundraising-Award des Verbands belohnt wurde. In einem weiteren Projekt gab es Patenschaften für Pflanzen zum 130. Geburtstag des Botanischen Gartens, damit dieser als Teil der Uni wahrgenommen würde. "Wir wollen die Öffentlichkeit für Projekte der Uni sensibilisieren und uns als förderbare Einrichtungen ins Bewusstsein bringen."

Große Fundraising-Projekte müssten sehr gezielt angegangen werden. "Unternehmen sind bereit, in Third-Mission-Aktivitäten zu investieren. Man erwartet aber integrierte Lösungen, die Wissenschaft mit Wirtschaft, Kultur oder Sozialem vereinen", sagte Günther Lutschinger, Geschäftsführer des Fundraising-Verbands. Spender wollen sich für Projekte engagieren, die vieles adressieren.