Kosterneuburg. Bei Menschen und Tieren entscheiden Geschlechtschromosomen, ob jemand Weibchen oder Männchen, Frau oder Mann ist. Bei manchen Arten bleiben sie über Millionen von Jahren gleich, bei anderen wechseln sie sprunghaft, schreibt die Biologin Beatriz Vicoso vom Institute of Science and Technology (IST) Austria im Fachmagazin "Nature Ecology and Evolution". Sie hat ergründet, wie Geschlechtschromosomen entstehen und bestehen.

Ob Weibchen oder Männchen, darüber entscheiden die Gene. - © dpa/A3216 Peter Kneffel
Ob Weibchen oder Männchen, darüber entscheiden die Gene. - © dpa/A3216 Peter Kneffel

Zu Beginn fand sich stets irgendwo auf einem Erbgutteil ein geschlechtsbestimmendes Gen, berichtet Vicoso. Zu den "üblichen Verdächtigen" gehören etwa solche, die zur Entwicklung von männlichen Hoden führen. Veränderte Versionen dieses Gens wiederum würden verhindern, dass ein Individuum Hoden entwickelt. Die "Exoten" hingegen wirken komplexer: Bei Regenbogenforellen etwa sei das "Männer machende" Gen mit solchen verwandt, die bei anderen Wirbeltieren Immunzellen stimulieren, bei Stubenfliegen mit einem, das an anderen Zellen dabei hilft, Eiweißstoffe zurechtzuschneiden.

Solch ein geschlechtsspezifisches Gen entsteht auf einem zunächst geschlechtsneutralen Chromosom, das zuvor nicht mitzuentscheiden hatte, ob ein Individuum weiblich oder männlich ist. Rund um dieses siedeln sich anschließend "Anhalter" an, die zwar nicht direkt das Geschlecht festsetzen, aber weiblichen oder männlichen Organismen gewisse Vorteile bringen.

Für immer fixiert

Gewisse Mechanismen halten das System stabil und die Funktion bleibt bei Arten wie etwa dem Menschen über viele Generationen hinweg und bei manchen Organismen sogar über 100 Millionen Jahre hinweg bestehen. Damit ist bei ihnen fixiert, wer die Aufgabe innehat. Bei anderen Arten springen die Geschlechtsgene hingegen von einem Erbgutteil zum anderen - etwa bei Fadenwürmern. In der Geschichte mancher Fisch-, Frosch- und Fliegenarten wiederum waren die unterschiedlichsten Chromosomen geschlechtsbestimmend.