Europas Zukunft im Weltraum steht im Mittelpunkt einer Konferenz der Europäischen Weltraumagentur ESA, die Mittwoch und Donnerstag in Sevilla stattfindet. Sollen künftig europäische Astronauten zum Mond fliegen und zahlt sich eine neue europäische Rakete angesichts privater Konkurrenz noch aus? Fragestellungen wie diese erörtern die für Raumfahrt zuständigen Minister der 22 ESA-Mitgliedsstaaten. Sie entscheiden über den Haushalt der europäischen Raumfahrtagentur der nächsten drei Jahre und damit über Europas Zukunft im Weltraum.

Bei der Konferenz sollen die zukünftigen Weltraumaktivitäten Europas diskutiert werden. Eine entscheidende Frage wird dabei das Budget sein: Die ESA wird eine Erhöhung der Finanzierung für das Pflichtprogramm, das von sämtlichen Mitgliedsstaaten getragen wird, sowie für eine Reihe optionaler Programme, beantragen, teilte die Organisation mit. Konkret peilt ESA-Generaldirektor Jan Wörner ein Budget von 12,5 Mrd. Euro an.


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Gegenüber "Space News" zeigte sich Wörner kürzlich "wirklich optimistisch". Er wisse zwar nicht, "ob wir den vollen Betrag erhalten werden, aber wir hatten bereits mehrere Diskussionen mit den Mitgliedsstaaten und es gibt kein einziges Programm, über das gesagt wurde, das sei ein schlechter Vorschlag."

Deutschland kürzt Mittel für ESA

Ob er tatsächlich dieses Geld bekommt, wird sich bei der Konferenz zeigen. Deutschland - nach Frankreich der zweitgrößte Beitragszahler - hat bereits angekündigt, Mittel für die ESA kürzen und mehr Geld für rein deutsche All-Missionen ausgeben zu wollen. Demnach soll die ESA künftig aus Deutschland jährlich rund 80 Millionen Euro weniger bekommen.

Österreich werde seinen Beitrag zum ESA-Budget bzw. zu den Programmen unabhängig von der Entscheidung Deutschlands fortschreiben, erklärte man im Infrastrukturministerium auf Anfrage der APA. Minister Andreas Reichhardt wird Österreich bei der Konferenz vertreten. Der heimische Beitrag zum ESA-Budget liegt bei 55 Mio. Euro pro Jahr und werde auf diesem Niveau gehalten.

Wörners Wunschzettel für die optionalen Programme ist in vier Kategorien unterteilt: Erkunden und Entdecken, Überwachen und Schützen, Dienste und Anwendungen sowie Entwerfen und Betreiben. So wird in dem ESA-Antrag Europa dazu aufgerufen, Verantwortung beim Thema Bedrohungen im und durch den Weltraum zu übernehmen. Dazu ist ein neues Programm für Weltraumsicherheit geplant, das u.a. Vorschläge zur Reduktion von Weltraummüll oder zur Entschärfung von Gefahren durch Asteroiden und Weltraumwetter beinhaltet.

Ausbau des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus

"Wir müssen zwei Dinge machen", sagte Wörner. "Wir müssen erstens alles, was da oben an Schrott ist, runterholen." Zweitens müsse geplant werden, wie es sich in Zukunft vermeiden lässt, dass weiterer Schrott entsteht. "Und beides haben wir in dieser Ministerratskonferenz vorgesehen." Ein Thema wird auch ein Ausbau des Erdbeobachtungsprogramms Copernicus sein, der Klimawandel wird dafür wohl ein gewichtiges Argument sein.

Die Minister könnten auch über die Beteiligung der ESA am "Artemis"-Programm der NASA entscheiden, das die USA wieder auf den Mond zurückbringen soll. An der für 2024 angepeilten Mondlandung werden sicher nur US-Astronauten beteiligt sein, aber einige Jahre später könnten auch europäische Astronauten folgen, meinte Wörner. Dazu wird die ESA den Amerikanern aber mehr bieten müssen als das bereits fixierte europäische Antriebsmodul für die US-Raumkapsel Orion, mit der die Mondflüge erfolgen sollen. In Diskussion steht etwa eine Beteiligung an der geplanten zumindest zeitweise bewohnten Raumstation im Mondorbit "Gateway".

Diskussionen wird es bei der Ministerkonferenz wohl auch um das europäische Raketenprogramm Ariane geben. Nach fünf Jahren Entwicklung soll die "Ariane 6" Mitte kommenden Jahres zu ihrem Jungfernflug abheben. Doch aus dem europäischen Hoffnungsträger, der deutlich günstiger als derzeit Fracht ins All bringen soll, ist ein Sorgenkind geworden. "Die ganze Struktur des Ariane-Programms ist schwierig und zu unwirtschaftlich", erklärte der deutsche Weltraumkoordinator Thomas Jarzombek kürzlich im "Handelsblatt".

Billige Raketenstarts privater Anbieter

Das Problem ist der für große Kommunikationssatelliten rückläufige Markt und die private Konkurrenz, etwa das US-Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk, das deutlich billigere Raketenstarts anbietet. Frankreich und Deutschland als gewichtigste ESA-Mitgliedsstaaten wollen aber am Ariane-Programm festhalten - auch wenn Deutschland derzeit die Idee eines eigenen Weltraumbahnhofs und eines unabhängigen Zugangs zum All ventiliert. (apa)