Mit eindrucksvollen Argumenten hat Europas Raumfahrt-Chef Jan Wörner von den Ländern des Kontinents mehr Geld für gemeinsame Weltraumprojekte gefordert. "Wir wollen nicht wegen eines Meteoriten aussterben", sagte der Vorsitzende der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Sevilla zum Auftakt einer als wegweisend geltenden Ministerratskonferenz unter Hinweis auf das Schicksal der Dinosaurier.

Der Aspekt "Überwachen und Schützen", eine von vier Säulen der künftigen Projektgestaltung der ESA (neben "Erkunden und Entdecken", "Dienste und Anwendungen" und "Entwerfen und Betreiben"), liegt dem Deutschen besonders am Herzen. Bei den Debatten über die Finanzierung der Programme gehe es darum, "Verantwortung zu übernehmen", sagte Wörner in seiner engagierten Rede vor den Ministern und anderen Vertretern der 22 Mitgliedsländer, darunter Österreich, der assoziierten Staaten Slowenien und Kanada, der EU und anderer Organisationen und Partner.

Weltraummüll und Sonnenstürme

Man wolle unter anderem ein System zur rechtzeitigen Entdeckung und zur Abwehr von gefährlichen Himmelskörpern entwickeln und in der Lage sein, auch anderen potenziellen Gefahren wie Sonnenstürmen, die das Leben auf der Erde stark in Mitleidenschaft ziehen können, Paroli zu bieten. Zu den Risiken gehöre auch der Weltraummüll. Rund 3.000 von insgesamt 4.500 Satelliten im Weltraum seien etwa nicht mehr aktiv und stellten eine "sehr große Gefahr" dar.

Entgegen der Meinung vieler sei Raumfahrt für das tägliche Leben auf der Erde von großer Bedeutung. Es gehe um Inspiration, um Wettbewerbsfähigkeit (Europas) und um Verantwortung. Man stünde vor Herausforderungen wie Klimawandel, Migration, Energie, Ressourcen und Konflikte. "All diese Herausforderungen sind Teil von dem, was wir machen."

Doch wie viel Geld ist nötig, um diese Herausforderungen zu meistern? Die ESA hatte 2019 einen Gesamtetat von 5,72 Mrd. Euro, der zu 73 Prozent von den Mitgliedsländern finanziert wurde. Deutschland ist mit 927 Mio. Euro nach Frankreich (1,2 Mrd. Euro) der zweitgrößte Beitragszahler. Hinzu kommen Beiträge institutioneller Partner wie der EU.

Nun wird für die nächsten drei Jahre ein Anstieg von rund zehn Prozent angestrebt. Wörner betonte vor der Konferenz aber, dass man die nun geforderten Summen aufgrund der unterschiedlichen Laufzeiten der unterschiedlichen Programme nicht mit denen vergleichen könne, die bei der letzten Ministertagung 2016 in der Schweiz beschlossen wurden. In der Tat laufen manche Programme, die zur Finanzierung anstehen, über zwei Jahre, andere über fünf. Manche Programme sind freiwillig, andere verpflichtend.