London. Das Fachblatt "Nature" kürt zu Jahresende einmal mehr zehn Personen, die einen besonderen Einfluss auf die Wissenschaft ausgeübt haben. Neun von ihnen sind selbst Forscher. In die Auswahl aufgenommen wurde allerdings auch die 16-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg. Sie habe weltweit die Schlagzeilen im Kampf gegen die Klimakatastrophe bestimmt. Diese Aufmerksamkeit habe viele inspiriert und werde auch großen Einfluss auf die nächste Generation von Forschern haben, begründete "Nature" seine Entscheidung.

Thunberg wurde als Repräsentantin der internationalen Klimaschutzbewegung in diesem Jahr bereits mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Das Magazin "Time" wählte sie zur "Person of the Year" und zahlreiche weitere Medien entschieden in ihren Jahresrückblicken ähnlich.

Zu den "Nature’s 10" des Jahres gehört neben der 16-jährigen Schwedin auch der brasilianische Physiker Ricardo Galvao. Der Direktor des Nationalen Instituts für Weltraumforschung (INPE) hatte Zahlen zur Abholzung des brasilianischen Regenwaldes veröffentlicht - und damit den Zorn von Präsident Jair Bolsonaro auf sich gezogen, was zu Galvaos Entlassung führte.

Strahlenblitze und CRISPR

Diaz machte auf das Artensterben aufmerksam. - © afp/J. Grant
Diaz machte auf das Artensterben aufmerksam. - © afp/J. Grant

Auf eine Umweltkatastrophe machte auch die argentinische Ökologin Sandra Díaz aufmerksam, als sie Anfang Mai 2019 gemeinsam mit Kollegen den ersten globalen Bericht des Weltbiodiversitätsrats IPBES veröffentlichte: Ihm zufolge sind eine Million Arten vom Aussterben bedroht - eine Prognose, die weltweit für Entsetzen sorgte.

Weitere Wissenschafter, die von "Nature" hervorgehoben werden, sind die amerikanisch-kanadische Astrophysikerin Victoria Kaspi, die mit einem einzigartigen Teleskop mysteriöse Strahlenblitze erforscht, der Neurowissenschafter Nenad Sestan, der mit seiner Wiederbelebung von Schweinehirnen die Grenze zwischen Leben und Tod infrage stellte, und der Mikrobiologe Jean-Jacques Muyembe Tamfum, der bereits seit 1995 in der Demokratischen Republik Kongo gegen Ebola kämpft.

Ebenfalls in die "Nature’s 10" aufgenommen wurden der chinesische Stammzellbiologe Hongkui Deng für seine Forschung mit der Genschere CRISPR-Cas9 zur Bekämpfung von HI-Viren, der äthiopische Paläoanthropologe Yohannes Haile-Selassie, der mit der Beschreibung des 3,8 Millionen Jahre alten Schädels eines Vertreters der Art Australopithecus anamensis einem unserer Urahnen ein Gesicht gab, sowie der US-amerikanische Physiker John Martinis, der Quantencomputer entwickelt.

Und schließlich wird die Ethikerin Wendy Rogers genannt, deren Forschung enthüllte, dass einige Organtransplantationen in China möglicherweise ohne die Zustimmung der Spender stattgefunden haben. "Nature’s 10" ist keine Auszeichnung oder Liste der wichtigsten Personen in der Wissenschaft", fasst "Nature"-Chefredakteur Rich Monastersky zusammen. "Die Geschichten dieser zehn Menschen beleuchten vielmehr einige der bedeutendsten wissenschaftlichen Ereignisse des Jahres 2019 in einer Reihe von Themen, die von unseren Anfängen bis zur Zukunft der Welt reichen."