Auf die Frage, warum männliche Wissenschafter bessere Karrierechancen haben als weibliche, könnten Forscher nun eine Antwort gefunden haben. Männer formulieren ihre Studienergebnisse wesentlicher positiver als Frauen, berichtet das "British Medical Journal" in seiner diesjährigen Weihnachtsausgabe. Darin werden alljährlich Studien aufgezeigt, die ein Schmunzeln hervorbringen sollen. Doch ganz so lustig ist die Thematik dann doch nicht.

Mehr als sechs Millionen Artikel wurden analysiert. - © AdobeStock/SpicyTruffel
Mehr als sechs Millionen Artikel wurden analysiert. - © AdobeStock/SpicyTruffel

In den Life-Science-Wissenschaften und der Medizin sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. Ihre Gehälter sind geringer, sie erhalten weniger Forschungsförderungen und werden weniger oft zitiert, heißt es in der Studie. Das könnte an den unterschiedlichen Präsentationen der Arbeiten liegen. Ein Forschungsteam hat aus dieser Vermutung heraus analysiert, ob, und worin sich Artikel zu Studien unterscheiden - je nachdem, ob sie aus einer männlichen oder einer weiblichen Feder stammen. Zudem wurde untersucht, inwieweit positive Formulierungen die Anzahl der Zitierungen beeinflussen.

9,4 Prozent mehr Zitierungen

Begriffe wie "neu", "einzigartig" oder "beispiellos" standen im Fokus. Deren Verwendung wurde in den Titeln und Abstracts von mehr als 100.000 klinischen Forschungsartikeln und mehr als sechs Millionen Life-Science-Artikeln systematisch analysiert. Die Veröffentlichungen lagen im Zeitraum zwischen 2002 und 2017. Die positiven Bezeichnungen wurden schließlich mit dem Geschlecht des jeweils ersten und letzten Autors einer Arbeit verglichen.

Bei 17 Prozent der klinischen Fachartikel steckten Forscherinnen dahinter, bei 83 Prozent waren es an erster oder letzter Autorenstelle Männer. Die Resultate zeigen, dass in jenen Veröffentlichungen, die von Frauen - als Erst- und Letztautorin - herausgebracht wurden, im Durchschnitt um 12,3 Prozent weniger positive Formulierungen verwendet wurden als bei ihren Forscherkollegen. Eine positive Präsentation wiederum brachte um 9,4 Prozent mehr Zitierungen hervor - um 13 Prozent mehr in sogenannten "High Impact"-Journalen, also besonders reichweitenstarken Fachblättern.

Die Daten lassen vermuten, dass die Differenzen im Grad der Selbstpräsentation, insbesondere in den "High Impact"-Magazinen, "mit dem viel zitierten Geschlechterunterschied in der akademischen Medizin und Wissenschaft zusammenhängen", fassen die Forscher zusammen. "Wir müssen das System korrigieren, das die geschlechtsspezifischen Unterschiede unterstützt", schreibt Julie Silver von der Harvard Medical School gemeinsam mit Kollegen in einem Editorial zur Studie.

Mehr Zurückhaltung üben

Anstatt Frauen zu ermutigen, ihre Forschungsergebnisse positiver zu formulieren, sollten allerdings Interventionen gesetzt werden, um Männern bei der Ausübung von mehr Zurückhaltung zu helfen, heißt es darin weiter. Sie fordern die Herausgeber, Produzenten und Konsumenten wissenschaftlicher Literatur auf, zusammenzuarbeiten, "um Verzerrungen entgegenzuwirken und die Wissenschaft optimal voranzutreiben".