Eher wenig gehört hat man in letzter Zeit von Nessie. Das lässt Schlimmes befürchten. Nach Brexit und Megxit käme ein Nexit in Frage. Der könnte fatale Folgen haben. Man stelle sich vor: Nessie flösselt im Ozean vor sich hin, und von unten kommt ein Megalodon und leckt sich die Lefzen. . .

Ja, diese Urzeittiere, die, laut Wissenschaft, allesamt ausgestorben sind! Ein Schelm, wer schon wieder den Quastenflosser erwähnt - schließlich könnte er auch mit dem Perlboot kommen, an dem die Evolution in den letzten 36 Millionen Jahren kaum etwas verändert hat, oder mit dem Pfeilschwanzkrebs, der bereits vor 443,4 Millionen Jahren herumgekrebst ist.

Dennoch: Zwischen Quastenflosser, Perlboot und Pfeilschwanzkrebs auf der einen und Nessie und dem Megalodon auf der anderen Seite gibt es einen Unterschied: Quastenflosser, Perlboote und Pfeilschwanzkrebse sind in reichlicher Zahl vorhanden, soll heißen: Es gibt genug von ihnen, um die Art erhalten zu können.

Eine Frage der Population

Wie viele Exemplare notwendig sind, um eine Art zu erhalten ohne die Gefahren, die ein Inzest mit sich bringt, ist nicht konkret feststellbar. Der Fall des Schwertstörs lehrt: In freier Wildbahn dürften neun Exemplare zu wenig sein.

Um etwa einen Megalodon im Aquarium weiterzuzüchten, braucht man erst einmal nur zweier Exemplare unterschiedlichen Geschlechts. Um in der nächsten Generation den Inzest zu vermeiden, der aus einem flinken Hai möglicherweise eine lahme Seekuh macht, bedarf es eines anderen Aquariums, das seinen Nachwuchs ebenfalls aus einem Megalodon-Paar gewinnt. Macht vier Megalodons, um eine Generation Megalodons zu erzeugen. Mit deren Nachkommen kann man eine weitere Generation züchten, aber für die nächste bedarf es der Nachkommen aus einem nicht miteinander verwandten Paar. So geht es weiter. Kurz: Selbst unter den geschützten Bedingungen eines Aquariums wären etliche Megalodons notwendig, um die Art zu erhalten. Mit ein paar Megalodons über die Weltmeere verteilt, wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.

Wie wahrscheinlich aber ist es, dass eine Population von Megalodons und Plesiosauriern existiert, die zahlreich genug ist, um die Art zu erhalten, aber, sogar die Weiten des Meeres eingerechnet, den Augen der Wissenschaft verborgen bleibt? Die Tiere sind ja nicht eben ameisengroß.

Gewiss: Der Riesenkalmar war auch erst nur Seemannsgarn, bis 1854 in Jütland einer strandete und 2003 ein Fang zweier Exemplare an der Nordküste Spaniens bestätigte, dass es sich 100 Jahre zuvor nicht um eine Laune der Natur oder einen menschlichen Irrtum gehandelt hat.

Dennoch: Von den 40-Meter-Schlangen, den Megalodons und Plesiosauriern müsste irgendwann irgendetwas gefunden worden sein, was über ein YouTube-Video hinausgeht.

Abschied nehmen

Und so heißt es Abschied nehmen von den Megalodons, vom kongolesischen Saurier Mokele-Mbembe, vom Lagarfljótwurm, dem Ungeheuer im isländischen See Lagarfljót, Abschied nehmen auch vom Tasmanischen Beutelwolf und vom Moa und von der Dronte und jetzt auch vom chinesischen Schwertstör: Das alles waren Tiere, die einmal existierten, manche bis vor relativ kurzer Zeit, dann aber ausgestorben oder ausgerottet worden sind. Natürlich wäre eine Welt mit ihnen bunter, vielleicht auch schöner, als eine Welt, die auf sie verzichten muss. Aber es hat eben nicht jedes Tier Platz in Noahs Arche und in Noahs Aquarium gefunden.

Obwohl: Letzten Endes bleibt immer noch die Sache mit dem Quastenflosser. Hoffentlich fressen ihn nicht die Megalodons und die Plesosaurier auf. Die Einhörner wären dann nämlich not amused.