Ob das Zentrum der Milchstraße, ein neuer Staubring um den Saturn, Schwarze Löcher oder neue Exoplaneten - mit dem "Spitzer"-Teleskop hat die US-Weltraumagentur Nasa in den vergangenen mehr als 16 Jahren zahlreiche Erfolge gefeiert. Am Donnerstag wurde der Allbeobachter in Pension geschickt - nämlich abgeschaltet. ",Spitzer‘ hat uns gezeigt, welch wichtige Rolle Infrarotlicht bei der Erforschung des Universums einnimmt", betont Nasa-Forscher Paul Hertz. Er spricht von einem "außergewöhnlichen Erbe", das das Teleskop hinterlässt.

Ursprünglich war die Mission auf zweieinhalb Jahre anberaumt. Das nach dem Astrophysiker Lyman Spitzer benannte Teleskop startete am 25. August 2003 vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral aus - als letztes der vier sogenannten Great Observatories der Nasa. Die vier Teleskope mit unterschiedlichen Technologien waren in den Weltraum gebracht worden, um diesen auf verschiedene Weise zu untersuchen und eine Art Panorama zu erstellen.

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Weiterhin aktiv bleiben das 1990 gestartete "Hubble"-Teleskop und das 1999 gestartete "Chandra X-ray Observatory". Das "Compton Gamma Ray Observatory", das 1991 auf den Weg geschickt worden war, funktionierte bis ins Jahr 2000.

Staub und kalte Objekte

"Spitzer" war für den Infrarotbereich zuständig. Seine drei Kameras registrierten Licht mit Wellenlängen zwischen drei und 180 Tausendstel Millimeter. Damit hatte es klare Sicht auf die kalte, betagte und staubige Seite des Kosmos. Die Infrarotstrahlung liegt in einem Teil des elektromagnetischen Spektrums, der vom menschlichen Auge nicht wahrgenommen werden kann. Mit ihr lassen sich aber nicht nur interstellare Staubteilchen nachweisen, sondern auch kalte Objekte beobachten wie zum Beispiel sogenannte Braune Zwerge. Denn es konnte Dinge sehen, die zu kalt sind, um viel sichtbares Licht durchzulassen.

Neben Kälte konnte das Teleskop aber auch den Ursprungszustand, das Alter und damit auch die Distanz von Objekten im Kosmos erkennen. Mittels Infrarot lässt sich damit auch die Entwicklung von Galaxien im frühen Universum studieren.

Das Teleskop folgte der Erde auf ihrem Weg um die Sonne, fiel aber mit der Zeit immer weiter zurück, was für Probleme mit den solarbetriebenen Batterien sorgte. Auch das Helium, das die Instrumente des Teleskops gekühlt hat, ist schon lange ausgegangen.

",Spitzer‘ ist weiter von der Erde weg, als wir je dachten, dass es sein würde, während es noch in Betrieb ist", hatte NASA-Manager Sean Carey zum 15. Jubiläum des Teleskops gesagt. Mit "kreativen und erfindungsreichen" Lösungen verlängerten Nasa-Ingenieure die Lebenserwartung von "Spitzer" trotzdem noch ein bisschen weiter.

Tausende Wissenschafter haben mit "Spitzer" deutlich mehr als 100.000 Stunden lang das All beobachtet, die Daten daraus sind in mehr als 8.600 wissenschaftliche Aufsätze eingegangen, außerdem in zahlreiche Doktorarbeiten und Bücher. Zu den bedeutendsten Entdeckungen des Teleskops gehören ein gigantischer Staubring um den Saturn und mehrere Exoplaneten.

Die Nachfolger

Mit der Abschaltung sei die "Spitzer"-Mission aber noch nicht vorbei, sagen Wissenschafter. Die vom Teleskop gesammelten Daten werden archiviert und sind Forschern weiter zugänglich. Bei einer wissenschaftlichen Konferenz Mitte Februar in Kalifornien soll die Mission zudem noch einmal gefeiert werden.

Auch einen Nachfolger gibt es schon: Nachdem das im April 2018 gestartete Nasa-Teleskop "Tess" (Transiting Exoplanet Survey Satellite) Wissenschafter schon mit ersten Beobachtungen erfreut hat, soll nun der Star der Flotte endlich in die Gänge kommen: Das "James Webb"-Teleskop hätte schon 2018 loslegen sollen, derzeit wird ein Start für März 2021 angepeilt. Es soll 1,5 Millionen Kilometer weit ins All fliegen und mit Hilfe eines 25 Quadratmeter großen Spiegels neue Bilder aus dem frühen Universum liefern.