Chinesische Fachleute rechnen erst später als bisher erwartet mit dem Höhepunkt der Coronavirus-Epidemie in der Volksrepublik. "Wir gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie in zehn Tagen bis zwei Wochen erwartet wird", sagte der Chef des nationalen Expertenteams im Kampf gegen das Coronavirus, Zhong Nanshan, laut chinesischen Staatsmedien. Dafür müssten aber vorbeugende Maßnahmen verstärkt werden. "Wir dürfen in unserer Wachsamkeit nicht nachlassen." Damit korrigierte der bekannte Experte seine bisherige Vorhersage von vor einer Woche, als er den Höhepunkt noch für Ende dieser Woche vorhergesagt hatte. Warum er den Zeitpunkt jetzt doch weiter in die Zukunft verschieben musste, sagte Zhong Nanshan nicht.

Obwohl die Ausbreitung des neuartigen Erregers zunimmt und das Virus bereits in jeder Provinz und Region Chinas nachgewiesen ist, rechnet er nach eigenen Worten nicht mit einem "nationalen Ausbruch". Es könnte "eher nur ein partieller Ausbruch sein", so Zhong Nanshan. Der Experte verwies auf radikale Maßnahmen wie die Einschränkung der Bewegungsfreiheit für mehr als 50 Millionen Menschen in Zentralchina, verlängerte Ferien, Fieberkontrollen, abgesagte Veranstaltungen und persönliche Vorsichtsmaßnahmen, die bei den Bemühungen helfen dürften.

Neues Krankenhaus in Wuhan ist nach acht Tagen fertiggestellt

In Wuhan, dem Ausbruchsort der Epidemie, ist nun das erste von zwei neuen chinesischen Krankenhäusern zur Isolation von Coronavirus-Erkrankten nach nur acht Tagen Bau fertiggestellt worden und soll demnächst in Betrieb gehen. Das Krankenhaus "Huoshenshan" ("Feuergott Berg") umfasst rund 1000 Betten. Mehr als 7500 Arbeiter sind an dem Schnellbauprojekt beteiligt. In zwei Tagen soll das zweite Krankenhaus "Leishenshan" ("Donnergott Berg") mit 1600 Betten eröffnet werden. Die Pläne für die Bauprojekte stammen von einem ähnlichen Schnellbau in Peking aus dem Jahr 2003 zur Bekämpfung des SARS-Virus.

WHO warnt vor Überschwemmung an Informationen

Unterdessen hat sich die Weltgesundheitsorganisation WHO besorgt über die Informationsflut zum Coronavirus gezeigt: Der Ausbruch des Erregers 2019-nCoV sei von einer "massiven Infodemie", einer Überschwemmung an Informationen, begleitet worden. Einige Informationen seien korrekt, andere hingegen nicht. Da die Informationsflut es vielen Menschen schwer mache, zwischen Mythen und Fakten zu unterscheiden, hat die WHO eine große Informationskampagne auf Facebook, Twitter und anderen Sozialen Medien gestartet. Darin beantwortet sie etwa Fragen wie: Kann das Essen von Knoblauch gegen das Coronavirus helfen? Antwort: Dafür gibt es keinen Beleg.

Auch der Rauch von Feuerwerk helfe nicht gegen den Erreger, schreibt die WHO. Die Annahme von Briefen oder Päckchen aus China sei hingegen ungefährlich. Das Virus überlebe nicht lange auf solchen Objekten. Auf einer gesonderten Website rät die WHO unter anderem zum regelmäßigen Händewaschen, auch wenn die Hände "nicht sichtbar dreckig" seien. Erkrankte sollten in die Armbeuge oder in ein Taschentuch niesen und letzteres in einen geschlossen Abfalleimer werfen. (apa/dpa)