Wenn es einen Himmelskörper gibt, der in den letzten Jahrzehnten besonders viel Aufmerksamkeit und Emotion erfahren durfte, dann ist das Pluto. Nicht nur seine Farbenpracht hat Astronomen und die Öffentlichkeit ihre Blicke auf ihn richten lassen. So reicht seine bunte Vielfalt von sanften Orange-Tönen bis hin zu sattem Rot und dezenten Mint-Nuancen bis hin zu Himmelblau. Jahrzehntelang war er der Kleinste der irdischen Nachbarplaneten – bis ihm 2006 von der Internationalen Astronomischen Union (IAU) dieser Status aberkannt wurde. Damit war er zum Zwergplaneten, genauer zum Eiszwerg, degradiert worden. Ein Aufschrei der Pluto-Fangemeinde war die Folge. Seit 90 Jahren ist der Himmelskörper nun schon auf der astronomischen Landkarte zu finden.

Am 18. Februar 1930 hatte der junge US-Astronom Clyde Tombaugh am Lowell Observatorium in Flagstaff Pluto in unserem Sonnensystem aufgespürt. "Er war unser erster Hinweis darauf, dass das Sonnensystem einen enormen Fundus gefrorener Himmelskörper besitzt, die bei der Entstehung der Planeten übrig geblieben sind", erklärt US-Astronom Mike Brown vom California Institute of Technology, dessen Entdeckung des Zwergplaneten Eris den letzten Anstoß zur Herabstufung Plutos gegeben hatte.


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Pluto-Festival des Lowell-Observatoriums

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Degradiert zum Eiszwerg

- © JPL/Nasa/Johns Hopkins University
© JPL/Nasa/Johns Hopkins University

Seit dem 24. August 2006 dürfen nur noch jene Himmelskörper Planet genannt werden, die sich auf einer Umlaufbahn um die Sonne bewegen, die eine näherungsweise kugelähnliche Gestalt besitzen und die Umgebung ihrer Bahn bereinigt haben. Letzteres trifft auf Pluto jedoch nicht zu. Und als eben immer neue, ähnlich große Körper in seiner Heimat, dem Kuipergürtel, gefunden wurden, war sein Schicksal letzten Endes besiegelt.

Nach seiner Entdeckung war Pluto nach dem römischen Gott der Unterwelt benannt worden. Den Anstoß dazu hatte ein elfjähriges Mädchen aus England gegeben. Beim Frühstück hatte der Großvater die Entdeckung aus der Zeitung zitiert. "Ich hatte von den griechischen und römischen Legenden in Kinderbüchern gelesen und kannte das Sonnensystem und die Namen der anderen Planeten", erzählte die 87-jährige Venetia Phair 2006 der US-Raumfahrtbehörde Nasa. "Also dachte ich, diesen Namen gibt es noch nicht." Phairs Großvater teilte die Idee einem befreundeten Astronomen mit und die Dinge nahmen ihren Lauf.

Die Erde zu Besuch

Die Nachricht von der Entdeckung schlug ein wie eine Bombe. Immerhin war es der erste Neuzugang im Planetensystem, seit 84 Jahre zuvor Neptun aufgespürt worden war. Pluto wurde regelrecht zum Popstar: Im selben Jahr brachte auch Walt Disney seinen tollpatschigen, orangefarbenen Hund erstmals auf Papier, der, animiert von der Planetenentdeckung, denselben Namen erhielt. Auch das Element Plutonium und ein Antarktis-Gletscher verdanken ihm seinen Namen.

Der kugelrunde Zwergplanet, dessen gesamte Oberfläche von Eis bestimmt wird, misst 2374 Kilometer im Durchmesser. Seine Färbung ergibt sich aus verschiedenen Zusammensetzungen aus Stickstoff-, Kohlenmonoxid- und Methaneis. Die organischen Verbindungen absorbieren das Licht in unterschiedlichen Wellenlängen, was die unterschiedlichen Nuancen hervorbringt.

2015 hatte Pluto erstmals Besuch von der Erde. Die Nasa-Sonde New Horizons schickte nach einem Vorbeiflug riesige Datenmengen. Seither weiß man, dass seine Oberfläche aus Bergen, Schluchten, kraterzerfurchten Landschaften und großen, glatten, weißen Eisebenen besteht, wie Forscher von der University of Maryland in der ersten Publikation von New Horizons in "Science" berichtet hatten.

Bis heute hadern Teile der Öffentlichkeit, aber auch Forscher mit der neuen Klassifizierung. Die Ergebnisse des Flybys wären eine gute Grundlage, dies wieder zu ändern. Die Erkenntnisse hätten seine Vorstellungskraft bei Weitem übertroffen, stellte damals auch Nasa-Astronom Alan Stern fest.

Pluto-Bier und Pluto-Sushi

Im Netz haben sich Gruppen formiert, die fordern, dem Himmelskörper den Planetenstatus zurückzugeben. "Die aktuelle Definition der IAU basiert auf einer Momentaufnahme des Planetensystems, die weder sinnvoll noch wissenschaftlich weiterführend ist", argumentiert der Hamburger Planetariumsdirektor Thomas Kraupe mit seiner Initiative www.plutoforplanet.de. Das Lowell-Observatorium gestaltet zum Jahrestag der Entdeckung gar ein "I heart Pluto"-Festival mit umfangreichem wissenschaftlichen Programm, eigenem Pluto-Porter-Bier und Pluto-Sushi-Roll. Wenn das nicht Liebe ist.