Mehr Covid-19-Erkrankungen, mehr Tests auf SARS-CoV-2: Derzeit läuft bei internationalen Labordiagnostik-Konzernen wie Qiagen, Roche, Abbott etc. ein Wettlauf um die schnellsten Geräte und um die meisten durchführbaren Untersuchungen auf das neue Coronavirus in einem Durchlauf. Am Wiener AKH (MedUni Wien) setzt man auf beide Strategien, erklärte Robert Straßl, Leiter des Laborbereichs Virologie.

"Wir haben jetzt ein Testsystem des US-Unternehmen Qiagen. Es erlaubt, Tests schneller durchzuführen. Das adaptierte Nemo DX-Gerät kann auch ständig beladen werden", erklärte der Experte. Man brächte für einen Durchlauf maximal 96 Proben unter. Ein größeres Gerät schafft sogar 288.

Ein Test dauert 90 Minuten 

Das System ist nicht neu. "Es steckt die Polymerase-Chain-Reaction (PCR; Anm.) dahinter", erklärte Straßl. Der Vorteil liege darin, dass der Untersuchungsansatz in einer Kartusche untergebracht ist und auf einer speziellen Platte läuft. "Was wir bisher händisch gemacht haben, erfolgt jetzt automatisiert. Damit ist die Hands-On-Time sehr gering. Ein Test dauert rund 90 Minuten. Wir könnten 400 Tests in 24 Stunden schaffen", erklärte der Experte. Man werde sich auch um ein zweites derartiges Gerät bemühen. In Labors zählt immer auch die Ausfallssicherheit. Das Verfahren ist jedenfalls flexibel und schnell.

Doch auch die Kapazitäten sollen am Wiener AKH (MedUni Wien) deutlich erhöht werden. "Gleichzeitig bauen wir unser Cobas 6800-Gerät aus, um darauf Tests auf SARS-CoV-2 durchführen zu können", sagte Straßl. Die Möglichkeit, diese automatisierte Laborstraße des Schweizer Konzerns Roche für die Covid-19-Diagnostik zu nützen, erhielt das Unternehmen erst vor wenigen Tagen mit einer Notfallzulassung in den USA. Es gibt auch Cobas 8800-Geräte, die per 24 Stunden 4.128 Untersuchungen schaffen. Diese "Laborstraßen" eignen sich für große Einrichtungen und medizinische Labors, die flächendeckend Untersuchungen durchführen. Auch sie basieren auf der PCR-Technik.

Bei der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) als wichtiger Teil der Versorgung in Österreich schafft man derzeit rund 500 SARS-CoV-2-Tests pro Tag. Man hilft zum Beispiel Bundesländern wie Tirol aus, die noch nicht ausreichend Kapazitäten haben. Auch für Niederösterreich wurde das geplant. (apa)

An sich gibt es laut Aussagen von Experten in Österreich derzeit genügend Kapazität für Virustests, die auch ständig ausgebaut wird. Am Dienstag sprach Franz Allerberger, Leiter der Abteilung für Öffentliche Gesundheit der AGES, von bereits rund hundert Stellen, die solche Untersuchungen durchführen könnten. Die Menge steige ebenfalls exponentiell. Im Hintergrund aber steht die Frage, wie sinnvoll massenhaftes Testen ist bzw. wie sinnvoll es in Zukunft noch sein wird. Länder wie die Niederlande oder Dänemark testen beispielsweise überhaupt nicht, erklärten Experten.

Ohne entsprechende Infrastruktur mit Logistik zum Versenden der Proben, Befunderstellung und Befundübermittlung an die Betroffenen, ist aber auch mit den modernsten Labormethoden nichts zu holen. Das liegt nicht an der Technik, sondern am Personal.