Am 11. April verstarb der Mathematiker John H. Conway nach einer Infektion mit dem Coronavirus in Princeton, New Jersey, im Alter von 82 Jahren. Der britische Mathematiker, der in den USA lebte, wurde durch seine Arbeiten zur kombinatorischen Spieltheorie bekannt. In seinen bekanntesten Büchern "Über Zahlen und Spiele" (Original: "On Numbers and Games"), "Zahlenzauber" ("The Book of Numbers") und "Gewinnen: Strategien für mathematische Spiele" ("Winning Ways for Your Mathematical Plays", zusammen mit Elwyn Berlekamp und Richard Kenneth Guy) ging es um diesen Teilbereich der Mathematik.

Schon sehr früh interessierte sich Conway für Zahlenspielereien und kreierte in seinem späteren Leben zahlreiche mathematische Spiele – so etwa das berühmte "Game of Life" und das Spiel "Sprouts". Er entdeckte die surrealen Zahlen, eine Zahldefinition in Analogie zum Dedekind-Schnitt, die auch Spiele und unendliche Kardinalzahlen umfasst.


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Die Conway-Folge in der Math-World
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In einem Portrait schrieb der britische "Guardian" Conway "ist Archimedes, Mick Jagger, Salvador Dalí und Richard Feynman - alles in einem."

Die einfachen Dinge

Conway wurde mit seinem Zitat: "Mathematik ist einfach. Es ist das Zeug, das wir verstehen können. Katzen sind kompliziert." (im Original: "Mathematics is the simple bit. It’s the stuff we can understand. It’s cats that are complicated.") bekannt. Conway erschuf einen zellulären Automaten, das "Spiel des Lebens" und beschäftigte sich im Spiel Sprouts mit der Topologie. Er beschäftigte sich mit der Theorie der surrealen Zahlen und propagierte die Doomsday-Methode zur Berechnung eines Wochentags im gregorianischen Kalender ausgehend vom letzten Tag im Februar.

Der Sohn des Chemielaboranten Cyril H. Conway und der Lehrerin Agnes Boyce wurde am 26. Dezember 1937 in Liverpool, Großbritannien, auf die Welt. Conway studierte Mathematik in Cambridge und schloss das Studium 1967 mit einer Promotion bei Harold Davenport ab. Bis 1986 lehrte er in Cambridge, wurde später auf die John von Neumann-Professur der Princeton University in New Jersey berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung lehrte.

Mit Richard Kenneth Guy schrieb Conway mit "Book of Numbers" eine populäre Einführung in die Zahlentheorie, entdeckte die nach ihm benannten Conway-Gruppen und die auch als Knobelaufgabe bekannte Conway-Folge. Da er 1979 mit Paul Erdős (und Hallard T. Croft sowie Michael J. T. Guy) die Arbeit "On the distribution of values of angles determined by coplanar points" veröffentlichte, hat er Erdős-Zahl 1. Mit Neil Sloane veröffentlichte er 1988 das monumentale Werk "Sphere packings, lattices and groups" in der Springer-Reihe "Grundlehren der mathematischen Wissenschaften" (3. Auflage, 1999), in der auch viele originäre eigene Forschungsbeiträge zur Theorie der Gitter und Kugelpackungen und damit zusammenhängend Codierungstheorie zusammengefasst sind. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Steele-Preis der American Mathematics Society.