Eine Infektion mit dem Coronavirus könnte ersten Datenanalysen zufolge zu Komplikationen in der Schwangerschaft führen. Bei Covid-19-Patientinnen steige wohl das Risiko für vorzeitige Wehen, so das Ergebnis einer Analyse erster weniger Daten zum Thema des Universitätsklinikums Erlangen.

Es sei aber unwahrscheinlich, dass die Viren während der Schwangerschaft oder durch die Muttermilch auf das Kind übertragen werden, so die Forscher. Die Publikation "SARS-CoV-2-Infektion in der Schwangerschaft" erschien in der Fachzeitschrift "Geburtshilfe und Frauenheilkunde". Die Erlanger Frauenklinik berücksichtigte dafür Daten von 18 schwangeren Covid-19-Patientinnen aus den chinesischen Regionen Wuhan und Hubei. "Das sind die einzigen Daten, die wir momentan haben", erklärte Matthias Beckmann, Direktor der Frauenklinik. Sie verglichen die Fälle mit Krankheitsverläufen von Infektionen mit den schon bekannten Coronaviren Sars-CoV und Mers-CoV.

Großteil der Schwangeren zeigt keine Symptome

Das neue Virus heißt Sars-CoV-2. Es ist eng verwandt mit dem ebenfalls aus China stammenden Erreger Sars-CoV von 2002/2003. Im Jahr 2012 tauchte in Vorderasien das Virus Mers-CoV auf, das weniger ansteckend, dafür aber aggressiver ist.

Eine Infektion mit dem neuen Erreger Sars-CoV-2 verlaufe in der Regel vergleichsweise mild, sagte Beckmann. Trotzdem hätten die Babys von Frauen mit einer Infektion während der Schwangerschaft den ersten Daten zufolge häufiger Probleme, manche kämen kleiner zur Welt, andere hätten Atemnot oder Fieber.

Das seien übliche Folgen einer Frühgeburt, erklärte Frank Louwen, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Eine solche Frühgeburt könne die Folge einer Lungenentzündung sein. Der Großteil der schwangeren Sars-CoV-2-Infizierten zeige aber kaum Symptome. Rein statistisch gesehen steckten sich Schwangere sogar seltener mit dem Coronavirus an als andere gleichaltrige Frauen. "Das mag daran liegen, dass sie sich noch vorsichtiger verhalten."

Ärzte raten nicht von Schwangerschaft ab

Trotz tragischer Einzelfälle müssen sich werdende Mütter also keine Sorgen machen. Auch von einer geplanten Schwangerschaft raten die Erlanger Ärzte nicht ab. Schwangere mit einer nachgewiesenen Infektion müssten aber engmaschig betreut und überwacht werden. Nach der Geburt sollten die Kinder dann sicherheitshalber von anderen Neugeborenen isoliert werden, um diese zu schützen. "In der Regel darf das Kind aber ganz normal zu seiner Mutter."

Auch die DGGG empfiehlt Körperkontakt: "Mütter und Säuglinge sollten in die Lage versetzt werden, kontinuierlich zusammenzubleiben und Hautkontakt durchzuführen – Tag und Nacht, insbesondere unmittelbar nach der Geburt." Stillen wird empfohlen - unabhängig davon, ob bei Mutter oder Kind eine Infektion vermutet oder auch bestätigt wurde.

Für Babys und jüngere Kinder ist eine Infektion mit Sars-CoV-2 nach derzeitigem Kenntnisstand ohnehin kaum eine Gefahr: Nur in Einzelfällen entwickeln sie schwere Symptome, meist sind Kinder mit Vorerkrankungen betroffen. Todesfälle sind extrem selten. (apa, dpa)