Die Stadt Wien hat Anfang März einen Sonder-Fördertopf zur Unterstützung der Coronavirus-Forschung mit einer Million Euro dotiert. Sieben Projekte werden nun in der ersten Tranche bedacht, zwei davon wurden am Dienstag näher vorgestellt. Sie beschäftigen sich mit der Reaktion des Immunsystems auf Covid-19 einerseits und mit der Belastbarkeit des heimischen Gesundheitssystems andererseits.

411.000 Euro an Unterstützung wurden den sieben ausgewählten Forschungsprojekten zugesprochen, sagte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Dienstag in einer Pressekonferenz. Die Entscheidung, wer Geld bekommt, fällt ein Kuratorium mit Vertretern der Stadt, der Ärztekammer, der Medizinischen Universität Wien und der Wiener Spitäler. Als Basis dienen Expertengutachten und -empfehlungen.

Ein Teil der geförderten Forschungsarbeiten beschäftigt sich dezidiert mit dem Virus und der dadurch verursachten Krankheit. Das Zentrum für Virologie der Meduni Wien will etwa herausfinden, wie das menschliche Immunsystem auf eine Infektion mit dem Coronavirus reagiert. Für die Studie würden Covid-19-Patienten regelmäßig untersucht, wobei auch unter die Lupe genommen wird, inwiefern die individuelle Immunabwehr sich in verschiedenen Altersgruppen, zwischen den Geschlechtern oder unter dem Aspekt von Vorerkrankungen unterscheidet.

Judith Aberle vom Zentrum für Virologie erklärte, Ziel sei es zu verstehen, "warum es zu einem milden Verlauf oder einer schweren Lungenerkrankung kommt" oder "ob und wie lange man gegen eine neuerliche Erkrankung geschützt ist", wenn das Virus schon einmal zugeschlagen hat.

Andere der unterstützten Projekte drehen sich wiederum um weiterreichende Aspekte im Zusammenhang mit dem Virus - beispielsweise, welche gesundheitspsychologischen Auswirkungen die Krise auf die heimische Bevölkerung hat oder wie "anfällig das österreichische Gesundheitssystem auf Schocks" ist, wie es hieß. Letzterem wird sich das AKH und die Meduni in einer Arbeit widmen. Medizinerin Alexandra Kautzky-Willer erklärte, dass die Ergebnisse der Untersuchung in einer interaktiven Landkarte dargestellt werden sollen. Patienten sollen etwa sehen können, wo in ihrer Umgebung Ordinationen geöffnet haben oder mit welchen Wartezeiten man dort rechnen muss. Ärzte wiederum soll die Karte informieren, ob es in ihrer Region gerade Corona-Cluster gibt und deshalb mehr Vorsicht geboten ist.

Das System soll auch verschiedene Szenarien simulieren können - etwa: "Was passiert, wenn eine Arztpraxis ausfällt oder was bedeutet es für die Kapazitäten, wenn ein Spital infolge des Virus geschlossen werden muss", erklärte Kautzky-Wiler.