Bei den neuen Antikörper-Labortests, bei denen meist auf ELISA-Tests gesetzt wird, ist die Hoffnung groß, dass sehr bald aussagekräftiger getestet werden kann. ELISA steht für "Enzyme-linked Immunosorbent Assay" und grob gesagt werden dabei bestimmte Virus-Teile - im Fall von SARS-CoV-2 meist Komponenten des charakteristischen Spike-Proteins - als Antigene eingesetzt, auf die die Antikörper im Blut reagieren.

Ist dem so, wird die Bindung der Antikörper an das Antigen mit einem Farbumschlag sichtbar gemacht. Darüber hinaus gibt es auch Tests, die auf Chemiluminiszenz basieren. Hier sendet die Probe eine Art Lichtsignal aus, wenn das Antigen mit einem Antikörper reagiert. All diesen Verfahren ist gemein, dass es dafür bestimmte Geräte braucht, mit denen viele Proben gleichzeitig getestet werden können.

Hoffnung auf wirksame Antikörpertests. - © UN-Coronaplakat/Unsplash
Hoffnung auf wirksame Antikörpertests. - © UN-Coronaplakat/Unsplash

Test ist nicht gleich Test

Ursula Wiedermann-Schmidt und Kollegen haben sich das bei bisher verfügbaren Verfahren bereits genauer angesehen. Denn Test ist nicht gleich Test und Antikörper nicht gleich Antikörper: So weisen die meisten Methoden IgG-Antikörper nach. Ihre Anwesenheit bedeutet, dass schon eine Infektion abgelaufen und eine gewisse Immunität nachweisbar ist, erklärte die Wissenschafterin. Bei den sogenannten IgM-Antikörpern handelt es sich hingegen um "frühe Antikörper, die bei einer Infektion zuerst gebildet werden" und sich erst später in die spezialisierteren IgG umwandeln. Dementsprechend weisen IgM-Antikörper auf einen frühen Krankheitsverlauf hin. Sie sind aber auch anfällig auf Kreuzreaktivität in Richtung anderer humaner Coronaviren.

- © UN-Coronaplakat/Unsplash
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Darüber hinaus gibt es auch noch die IgA-Antikörper, die vor allem in den Schleimhäuten zu finden sind und dort auf Kontakt mit dem Erreger hinweisen. Bei jeder Infektion, die in den Schleimhäuten stattfindet - wie Covid-19 - mache es Sinn, auch die Schleimhautimmunität zu untersuchen, ist dann der ganze Körper betroffen - also eine systemische Infektion -, sei mit mehr IgG zu rechnen. "Vorausgesetzt, dass der Nachweis von IgA-Antiköpern eine ausreichende Spezifität aufweist, könnten Unterschiede in der Quantität von IgA und IgG Aufschluss über den Schweregrad und Verlauf der Erkrankung liefern", so die Wissenschafterin, die in den jetzt verbesserten Verfahren neue Möglichkeiten und die Notwendigkeit sieht, hier weiter zu forschen.

Tests werden getestet

Prinzipiell werden die Testverfahren von den Herstellern auf ihre Wirksamkeit getestet. Behörden prüfen erst extern nach, wenn Probleme mit dem Produkt auftreten, erklärte Gregor Hörmann. Deshalb ist es so wichtig, sich die Herstellerangaben und unabhängige Studiendaten anzusehen und sich im Labor ein Bild von der Qualität zu machen, so der Oberarzt vom Zentralinstitut für Medizinische und Chemische Labordiagnostik der Universitätskliniken Innsbruck.

Bei einigen neuen Verfahren scheinen die "Falsch negativ"-Raten nun deutlich unter einem Prozent zu liegen. Hörmann: "Wir lernen diese Tests jetzt kennen. Die Daten sind durchaus vielversprechend. Da ist gerade eine kleine Revolution des Marktes im Gange." Man müsse nun Erfahrungen sammeln, indem mehrere Verfahren verglichen und deren Stärken und Schwächen identifiziert werden. Ein wichtiger Faktor sei auch, "ob man sich mit neuen ELISA-Systemen Neutralisationstests ersparen bzw. diese einschränken kann, da sie für große Seroprävalenzstudien zu aufwendig sind", sagte Wiedermann-Schmidt.

Warnung vor "Wildwuchs" an Testsystemen

Die Frage, wann sich denn Bürger tatsächlich in großer Zahl und verlässlich auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 testen lassen können, beantworten sowohl Wiedermann-Schmidt als auch Hörmann optimistisch: In einigen Wochen bzw. ein bis zwei Monaten sehe man hier bestimmt deutlich klarer. Die Produkte seien so weit fortgeschritten, dass sie vermutlich auch im niedergelassenen Bereich der Labormedizin angeboten werden können, so Hörmann: "Die Gerätekapazität ist sehr gut und die Hersteller müssen auch die Reagenzien in ausreichendem Ausmaß liefern."

In unklaren Einzelfällen brauche es aber auch dann noch die gute Zusammenarbeit mit spezialisierten Universitätsinstituten. Die ÖGLMKC empfiehlt angesichts eines "Wildwuchses" an Testsystemen und Anbietern darauf zu achten, dass das Prozedere und die Beurteilung unbedingt von Fachleuten durchgeführt und nicht auf Schnelltests zurückgegriffen wird.

Immunität bleibt offen

Ein großes Fragezeichen bleibt aber voraussichtlich noch länger bestehen, da mit einem Antikörpernachweis die Frage der Immunität nicht völlig geklärt wird. Es sei davon auszugehen, dass Personen nach einer Infektion eine Zeit lang weitestgehend vor einer Neuinfektion gefeit sind. Wie lange dem so ist, wisse man einfach nicht, betonte Wiedermann-Schmidt: "Jetzt können wir Antikörper wahrscheinlich relativ verlässlich nachweisen, der nächste Schritt ist aber herauszufinden, was diese Antikörper jeweils im Hinblick auf stabile Immunität bedeuten und was mit Personen ist, die auch nach durchgemachter Infektion keine messbaren Antikörper aufweisen." Denn die Erkrankung werde "uns noch sehr lange begleiten".(apa)