Im neuen EU-Forschungsprogramm "Horizon Europe" (2021-2027) sollen mit der sogenannten "missionsorientierten Forschung" Ziele von hoher gesellschaftlicher Relevanz gefördert werden. Unabhängige Experten haben nun der EU-Kommission fünf potenzielle Missionen vorgeschlagen. Es geht dabei um Krebs, Klimawandel-Anpassung, gesunde Ozeane, klimaneutrale Städte sowie gesunde Böden und Lebensmittel.

Die EU setzt sich mit den Missionen ehrgeizige Ziele: "Zum Teil inspiriert vom Apollo-Programm, einen Menschen auf den Mond zu bringen, sind EU-Missionen eine Verpflichtung, große gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen", heißt es in einer Presseaussendung der Kommission. Für Forschungs-Kommissarin Mariya Gabriel werden "Missionen für die Umwandlung Europas in einen grüneren, gesünderen und widerstandsfähigeren Kontinent für alle von entscheidender Bedeutung sein".

Fünf Expertengremien haben seit September vergangenen Jahres an der Gestaltung der Missionen gearbeitet, bereits unter Einbindung von EU-Bürgern. Nun sollen im Sommer Online-Veranstaltungen stattfinden, um weitere Bürger einzubinden und ihre Prioritäten und Ideen zu sammeln. Die endgültigen Empfehlungen wollen die Experten dann Ende September der Kommission übergeben, die bis Jahresende ihre ausgewählten Missionen bekannt geben will.

Fünf Missionen vorgeschlagen

Folgende Missionen wurden von den Experten vorgeschlagen, alle nennen als Zieldatum 2030:

"Krebs besiegen: Mission möglich": Durch ein gründliches Verständnis von Krebs sollen in dieser Mission Prävention, Diagnose, Behandlung und Lebensqualität krebskranker Menschen verbessert werden.

"Beschleunigung des Übergangs zu einem auf den Klimawandel vorbereiteten und widerstandsfähigen Europa": Ziel ist, Europa auf die Bewältigung von Störungen durch den Klimawandel vorzubereiten.

"Regeneration der Ozeane und Gewässer": Ziel ist die Säuberung der Meere und der Süßwasservorkommen und die Wiederherstellung zerstörter Ökosysteme und Lebensräume.

"100 klimaneutrale Städte": 100 europäische Städte sollen bei ihrem systemischen Wandel in Richtung Klimaneutralität unterstützt und in Experimentier- und Innovationszentren umgewandelt werden.

"Bodenpflege ist Lebenspflege": Mindestens 75 Prozent aller Böden in der EU sind gesund und können wesentliche Dienstleistungen erbringen, auf die die Menschen für gesunde Ernährung, Menschen, Natur und Klima angewiesen sind.

Analyse "Horizon 2020"

Für jede "Mission" soll es einen bestimmten Zeitrahmen und ein bestimmtes Budget geben, je nach Grad der Herausforderung. Die Vorhaben sollen über Forschung und Innovation hinausgehen und branchenübergreifende Innovationen auslösen, um effektive Lösungen zu liefern, heißt es seitens der Kommission.

Große Pläne hatte die EU-Forschungspolitik schon im "Horizon Europe"-Vorgängerprogramm "Horizon 2020" auch für die Etablierung von "Verantwortungsvoller Forschung und Innovation" (Responsible Research and Innovation, RRI). Dahinter verbirgt sich die Idee, Forschung stärker in Einklang mit Werten und Anliegen der Gesellschaft zu bringen. Dazu zählt etwa, wissenschaftliche Ergebnisse verstärkt öffentlich zugänglich zu machen, ethische Aspekte stärker mitzubedenken oder die Bevölkerung zunehmend in die Forschungsarbeit zu involvieren.

Laut einer im Fachmagazin "Science" vorgestellten Analyse eines Wissenschafterteams, dem mit Robert Braun und Erich Griessler auch zwei Forscher vom Institut für Höhere Studien (IHS) angehörten, hapert es bei der Umsetzung der ehrgeizigen Pläne der Kommission allerdings noch. Im Rahmen der Studie hat sich etwa gezeigt, dass das Konzept vielen Menschen, die EU-geförderte Projekte umsetzen, kaum ein Begriff ist. Während sich RRI etwa in übergeordneten Papieren findet, sei es beispielsweise in verschiedenen Stufen der Abwicklung von Förderprogrammen kaum präsent, so die Wissenschafter. (apa)