Eine Forschungsgruppe der Medizinischen Universität Wien hat eine neue Methode zur nicht-invasiven Risikoeinschätzung nach der Heilung einer Hepatitis-C-Erkrankung entwickelt. Der im Forschungsteam arbeitende Georg Semmler entwickelte einen Algorithmus, der sowohl den Schweregrad des Pfortaderhochdrucks als auch das Risiko für das Auftreten von Komplikationen einschätzen kann.

Bei von der Hepatitis C geheilten Personen kann es weiterhin zu Komplikationen wie etwa zu Blutungen aus Krampfadern in der Speiseröhre oder dem Auftreten von Bauchwassersucht kommen. Das Risiko für diese Komplikationen kann durch die invasive Messung des Pfortaderdrucks bestimmt werden. Die Messung ist jedoch ein aufwendiges Verfahren, das nur von Experten durchgeführt werden kann.

Der nun entwickelte Algorithmus basiert laut einer Aussendung der MedUni vom Donnerstag auf einem weit verbreiteten ultraschall-basierten Verfahren, das die Lebersteifigkeit misst, sowie auf routinemäßig verfügbaren Bluttests. Er zeigt auch in externen Bestätigungsuntersuchungen eine hohe diagnostische und prognostische Wertigkeit.

>ZT>Mögliche Risiken können identifiziert werden

"Durch die verbesserte Risikoeinschätzung kann bei einem Großteil der PatientInnen Entwarnung gegeben werden, wodurch sie weniger häufig belastende Kontrolluntersuchungen benötigen. Außerdem werden auch HochrisikopatientInnen identifiziert, die einer besonders engmaschigen Betreuung bedürfen", erklären die Studienautoren. Ermöglicht wird dadurch eine personalisierte Nachbetreuung von Patienten, deren Hepatitis-C-Virus-Infektion geheilt wurde. Somit werden invasive Untersuchungen vermieden, mögliche Risiken können identifiziert werden. Semmler zeigte sich zuversichtlich, dass die Methode breite Anwendung finden wird.

Hepatitis C ist eine weitverbreitete Virusinfektion der Leber, die bis vor einigen Jahren mittels Interferonspritzen und zusätzlichen Medikamenten monatelang therapiert werden musste. Heute werden antivirale Substanzen eingesetzt, die weitgehend nebenwirkungsfrei sind und über 95 Prozent aller Hepatitis-C-Patienten innerhalb einer Therapiedauer von acht bis zwölf Wochen heilen können. (apa)