Forscher wollen in der oberen Venus-Atmosphäre Hinweise auf Leben gefunden haben. Das Team um Jane Greaves von der Universität Cambridge berichtet im Fachblatt "Nature Astronomy", das Gas Monophosphan (PH3) mit verschiedenen Teleskopen in den Wolken des Nachbarplaneten aufgespürt zu haben. Auf der Erde wird das Gas nur von Mikroorganismen oder industriell produziert.

Wie es auf der Venus entstanden sein könnte, ist völlig offen. "Wir behaupten nicht, dass wir Leben auf der Venus gefunden haben", sagte Ko-Autorin Sara Seager vom Massachusetts Institute of Technology am Montagnachmittag bei einer Pressekonferenz.

"Wir haben das Gas Monophosphan detektiert, dessen Herkunft ein Geheimnis ist." Die Forscher schließen nicht aus, dass das Gas durch bisher unbekannte natürliche Prozesse entstanden sein könnte. Auf der Rangliste jener Himmelskörper im Sonnensystem, auf denen Leben möglich sein könnte, sei die Venus nun aber nach oben gerückt, sagte Seager.

Skepsis bei Wissenschaftern

Viele Wissenschafter sind freilich in höchstem Maß skeptisch: Christine Moissl-Eichinger vom Zentrum für Mikrobiomforschung und dem "Center for Life Detection" der Medizin-Uni Graz, betonte gegenüber der APA, dass es in der Publikation der britischen Forscher keinen Hinweis gebe, dass das Phosphin biologisch produziert wurde. Es sei lediglich klar, dass der chemische Prozess für dessen Produktion unbekannt ist.

Die österreichische Astrophysikerin Lisa Kaltenegger von der Cornell University (USA), die in Atmosphären erdähnlicher Planeten nach Lebensspuren sucht, bezeichnet die Entdeckung ihrer britischen Kollegen als "sehr interessant". Für eine Antwort auf die Frage, ob das Phosphin tatsächlich Lebensspuren darstelle, "müssen wir noch einiges lernen. Aber diese Entdeckung gibt einen sehr guten Anstoß, die Venus besser zu erforschen und besser zu modellieren", sagte sie zur APA.

Mono-Phosphin, umgangssprachlich auch als Phosphorwasserstoff bezeichnet, ist ein giftiges und bei 150 Grad Celsius selbstentzündliches Gas. Auf der Erde wird es etwa in der Halbleiterbranche und in der Schädlingsbekämpfung verwendet. Seine Giftigkeit greift das Nervensystem und den Stoffwechsel an. Auch auf Jupiter und Saturn kommt das Gas vor, aber in einer komplett anderen Dichte, die andere Erklärungen ermöglichen.

Lebensfeindliche Umgebung

Die Bedingungen auf der Venus galten bisher als wenig förderlich für die Existenz von Leben. Die Temperaturen auf dem Planeten erreichen bis zu 500 Grad Celsius. Die Atmosphäre der Venus besteht fast ausschließlich aus Kohlendioxid und erzeugt also einen starken Treibhauseffekt.

Die Venus ist ähnlich groß wie die Erde, hüllt sich jedoch in eine dichte Wolkendecke. Dadurch entstehen auf der Venus Bedingungen, die bisher als wenig förderlich für die Existenz von Leben galten. So besteht die Atmosphäre der Venus fast ausschließlich aus Kohlendioxid und erzeugt einen starken Treibhauseffekt. Die Temperaturen auf dem Planeten erreichen bis zu 500 Grad Celsius. Für Leben nach irdischen Maßstäben wäre es also aller Wahrscheinlichkeit nach zu heiß.

In den oberen Atmosphärenschichten, rund 50 bis 60 Kilometer über der Oberfläche, könnten allerdings vergleichsweise moderate Temperaturen Leben erlauben. Das hat zu Spekulationen über schwebende Mikroorganismen geführt. (red/apa/dpa)