Ein Alligator mit Helium-Stimme brachte Forschern der Uni Wien einen der diesjährigen lg-Nobelpreise: Die Wissenschafter vom Department für Kognitionsbiologie erhielten die Auszeichnung für eine bereits 2015 veröffentlichte Arbeit, mit der sie zeigten, dass auch die Lautäußerungen von Reptilien Resonanzen enthalten. Dazu ließen sie einen China-Alligator ein Helium-Sauerstoff-Gemisch einatmen.

Der Ig-Nobelpreis (lg steht für das englische Wort ignoble, "unwürdig, schmachvoll, schändlich"), wird gelegentlich als Anti-Nobelpreis bezeichnet. Er ist aber keine reine satirische Auszeichnung. Die US-amerikanische Zeitschrift "Annals of Improbable Research" vergibt ihn, um wissenschaftliche Leistungen zu ehren, die "Menschen zuerst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen".

Stephan Reber, Judith Janisch und Tecumseh Fitch, damals noch alle an der Uni Wien, hatten die Arbeit mit Kollegen im "Journal of Experimental Biology" veröffentlicht. Der Schweizer Biologe Reber, der die Studie im Zuge seines Doktorats bei Fitch durchgeführt hat, ist mittlerweile an der Universität Lund in Schweden, Janisch macht derzeit ihr Doktorat am Konrad-Lorenz-Institut für Vergleichende Verhaltensforschung der Veterinärmedizinische Universität Wien. Fitch ist nach wie vor Professor an der Uni Wien, spezialisiert auf die Erforschung akustischer Kommunikation bei Wirbeltieren.

"Wir waren alle sehr begeistert, es ist schon ein tolles Gefühl", erklärte Janisch gegenüber der APA. Corona-bedingt war die Verleihung der Ig-Nobelpreise heuer nur im Internet zu sehen, "aber so konnten wir wenigstens alle daran teilnehmen, alle nach Harvard zu fliegen wäre nicht so einfach gewesen". Insgesamt wurden zehn Studien, die "erst zum Lachen und dann zum Denken anregen" sollen, mit "Ig-Nobelpreisen" ausgezeichnet.

 

Untersuchung von Reptilienlauten

Durchgeführt wurde die Studie an der St. Augustine Alligator Farm. "Wir haben dort drei Monate lang unterschiedliche Projekte gemacht", erinnert sich Janisch an diese "spezielle Zeit". Eines davon widmete sich der Frage, ob auch die Laute von Reptilien Resonanzen im Vokaltrakt bei der Lauterzeugung nutzen, so wie etwa wir Menschen oder auch Vögel das tun. Alligator-Rufe - sogenannte "bellows" - seien "extrem laut, wahnsinnig tief und gehen einem durch Mark und Bein", hatte Reber im Zusammenhang mit einer anderen Studie einmal zur APA gesagt.

Indem die Wissenschafter einen China-Alligator, der bekannt dafür war, viel zu rufen, wenn er die Rufe von Artgenossen hörte, in einer Glasbox ein Helium/Sauerstoff-Gemisch (Heliox) einatmen ließen, konnten sie zeigen, dass sich seine Rufe unter Helium-Einfluss veränderten und dass sie Resonanzen enthielten. Sie nutzten dabei jenen Effekt aus, der auch die menschliche Stimme wie Micky Maus klingen lässt, wenn man Helium einatmet. Denn der Schall, der sich durch den Mund bewegt, wird in dem zum Vergleich mit der Umgebungsluft weniger dichten Helium viel schneller und klingt damit höher.

In einer späteren Studie zeigten Reber und Fitch, dass die Alligatoren mit ihren "bellows" Weibchen und Konkurrenten ihre Körpergröße mitteilen. Angesichts der Tatsache, dass Vögel und Krokodile einen gemeinsamen Vorfahren mit den Dinosauriern haben, schließen die Wissenschafter daraus, dass wahrscheinlich auch die Dinos Resonanzen zur Kommunikation verwendet haben.

Frühere Auszeichnung für Elisabeth Oberzaucher

Bereits 2015 ging ein "Ig-Nobelpreis" an die Uni Wien, und zwar in Mathematik: Elisabeth Oberzaucher vom Department für Anthropologie der Universität Wien erhielt die Auszeichnung gemeinsam mit ihrem Kollegen Karl Grammer für ihr mathematisches Modell, mit dem sie analysiert haben, ob und unter welchen Voraussetzungen der marokkanische Herrscher Moulay Ismael (1634-1727), genannt der "Blutrünstige", tatsächlich 888 Kinder gezeugt hat, wie es in der Überlieferung heißt und im Guinness Buch der Rekorde vermerkt ist. Oberzaucher hatte sich den Preis damals selbst abgeholt. (apa)