Nachdem die Ludwig Boltzmann-Gesellschaft (LBG) als "zentrale Forschungseinrichtung" in das neue Forschungsfinanzierungsgesetz (FoFinaG) aufgenommen wurde, musste die Gesellschaft ihren Vorstand neu wählen. Bei dessen konstituierender Sitzung wurde die Chirurgin Freyja-Maria Smolle-Jüttner zur neuen LBG-Präsidentin gewählt. Sie löst damit Josef Pröll ab, der acht Jahre lang an der Spitze der Boltzmann-Gesellschaft stand, teilte das Wissenschaftsministerium mit.

Im FoFinaG werden zehn zentrale Forschungs- und Forschungsförderungseinrichtungen genannt, denen per Gesetz eine langfristige, wachstumsorientierte Forschungsfinanzierung zugesichert wird. Um zu diesen Institutionen zu zählen, müssen mehrere Kriterien erfüllt sein. Für Vereine etwa - also solcher ist die LBG organisiert - muss es einen "klar bestimmenden Einfluss des Bundes" geben. Aus diesem Grund hat der Trägerverein der Boltzmann-Gesellschaft seine Statuten geändert. Demnach werden nun sechs der elf Vorstands-Mitglieder vom Wissenschaftsministerium bestellt und fünf von der Mitgliederversammlung, hieß es aus dem Ministerium auf Anfrage der APA.

Die Mitgliederversammlung der LBG wählte Siemens-Chef Wolfgang Hesoun, Sylvia Knapp vom Forschungszentrum für Molekulare Medizin (CeMM) und der Medizinischen Universität Wien, Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, Michael Stampfer, Geschäftsführer des Wiener Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiefonds (WWTF) sowie Profil-Chefredakteur Christian Rainer erneut in den Vorstand. Vom Wissenschaftsministerium wurden die frühere Präsidentin des Europäischen Forschungsrats (ERC), Helga Nowotny, Markus Benesch aus dem Ressort, Andrea Barta von den Max F. Perutz Laboratories, Freyja-Maria Smolle-Jüttner von der Medizinischen Universität Graz, der ehemalige Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, und der Rektor der Donau-Universität Krems, Friedrich Faulhammer, bestellt. Faulhammer war schon bisher Mitglied des LBG-Vorstands.

Professorin für Chirurgie

Die Vorstandsmitglieder wählten nun Freyja-Maria Smolle-Jüttner zur neuen LBG-Präsidentin. Als Vizepräsidenten fungieren Andrea Barta, Wolfgang Hesoun, Sylvia Knapp und Georg Winckler. Die 62-jährige gebürtige Grazerin Smolle-Jüttner ist seit 2003 Universitätsprofessorin für Chirurgie mit besonderer Berücksichtigung der Thorax-Chirurgie an der Medizin-Uni Graz und leitet dort die Klinische Abteilung für Thorax- und hyperbare Chirurgie. Sie ist mit dem ehemaligen Rektor der Medizinischen Universität Graz und ÖVP-Nationalratsabgeordneten Josef Smolle verheiratet.

Der neue Vorstand werde 2021 eine strategische Neuausrichtung der Boltzmann-Gesellschaft ausarbeiten und beschließen, "um die LBG im Bereich der Gesundheits- und medizinischen Forschung optimal zu positionieren", erklärte Wissenschaftsminister Heinz Faßmann (ÖVP) in einer Aussendung. Er bedankte sich beim bisherigen LBG-Präsidenten Josef Pröll für dessen Engagement.

Pröll bezeichnete "das Bekenntnis des Wissenschaftsministeriums zur LBG als Forschungsträger sowie damit verbunden die Aufnahme in das Forschungsfinanzierungsgesetz als wichtige Schritte, um Forscherinnen und Forschern unter dem Dach der LBG auch in Zukunft optimale Rahmenbedingungen für exzellente Arbeit bieten zu können". Neben Pröll sind Sabine Ladstätter, Ferdinand Maier, Martina Mara und Michael Häupl aus dem Vorstand ausgeschieden.

Die LBG betreibt derzeit mit Partnern 20 Ludwig Boltzmann-Institute mit thematischen Schwerpunkten in Medizin, Life Sciences sowie Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. (apa)