CUREVAC - Der Tübinger Impfstoffentwickler hat im Juni mit der klinischen Erprobung seines Covid-19-Impfstoffkandidaten begonnen. In der Phase-I-Studie, an der mehr als 250 Probanden teilnahmen, wurde der Impfstoff von CureVac in verschiedenen Dosierungen getestet. Er zeigte eine gute Verträglichkeit und eine ausgewogene Immunantwort. Noch vor Jahresende soll nun die entscheidende Wirksamkeitsstudie Phase-Ib/III-Studie mit weltweit bis zu 30.000 Probanden starten. Der Bund unterstützt das Projekt mit bis zu 252 Millionen Euro, im Sommer war er mit 300 Millionen Euro bei CureVac eingestiegen. CureVac-Haupteigner und SAP-Mitgründer Dietmar Hopp rechnet mit einer Zulassung im Frühjahr oder Sommer 2021, in eingeschränkter Form möglicherweise aber auch schon früher. nL8N2HO2S1]

JOHNSON & JOHNSON - Der US-Pharmakonzern hat die Phase-3-Wirksamkeitsstudie, an der rund 60.000 Menschen teilnehmen sollen, Ende September gestartet. Ergebnisse sollten bis Ende dieses, Anfang kommenden Jahres vorliegen. Auch Johnson & Johnson musste seine zulassungsrelevante Studie wegen einer unerklärten Erkrankung bei einem Probanden unterbrechen. Im Oktober fuhr die Untersuchung wieder hoch, nachdem ein Kontrollgremium sein Okay dafür gegeben hatte.

SINOVAC - Der Impfstoff CoronaVac des chinesischen Biotechunternehmens befindet sich als einer von einer Handvoll chinesischen Impfstoffkandidaten in der klinischen Phase III. Tests mit Tausenden Freiwilligen laufen in Indonesien, der Türkei und in Brasilien, einem der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder. Studiendaten werden im November erwartet. Anfang Oktober hatte der Gouverneur des brasilianischen Bundesstaates Sao Paulo die heimische Gesundheitsbehörde Anvisa um eine Zulassung des Sinovacs-Impfstoffs gebeten. Er gehört zu jenen Impfstoffen, die im Notfall-Programm der chinesischen Regierung bereits Zehntausenden Menschen vor Abschluss der klinischen Studien verabreicht wurden.

SINOPHARM - Der staatliche chinesische Biotechkonzern testet zwei verschiedene Impfstoffprojekte in Phase-III-Studien. Mitte Juli begann ein breit angelegter Test in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit 15.000 Freiwilligen. Auch Argentinien, Peru, Marokko und Bahrain haben Phase-III-Tests mit dem Sinopharm-Kandidaten zugelassen. Das Wall Street Journal hatte berichtet, dass Sinopharm seine Impfstoffe kostenlos chinesischen Studenten anbietet, die für ihr Studium ins Ausland gehen. Mit dem Impfstoff seien bereits 481.613 Personen geimpft worden, weitere 93.653 hätten die Impfung beantragt.

GAMALEYA-INSTITUT - Das russische Gesundheitsministerium hat den Impfstoff, der im Ausland unter dem Namen "Sputnik V" auf den Markt gebracht werden soll, am 11. August freigegeben, noch bevor die Ergebnisse der Phase III-Studien vorlagen. In zwei kleineren Tests im Juni und Juli haben dem Fachmagazin "Lancet" zufolge alle 76 Teilnehmer Antikörper entwickelt und keine schweren Nebenwirkungen gezeigt. Inzwischen hat eine große Studie, die 40.000 Teilnehmer umfassen soll, begonnen.

US-Börsen dürften nach Impfstoff-Meldung deutlich fester starten

Zu Beginn der neuen Woche knallen an der Wall Street schon vorbörslich die Sektkorken. Die Anleger feiern sowohl den Sieg von Joe Biden bei der US-Präsidentschaftswahl als auch vielversprechende Nachrichten zu einem möglichen Corona-Impfstoff.

Dementsprechend steuert der Dow Jones Industrial auf einen Rekordstand zu: Rund eine Stunde vor Handelsbeginn wurde der bekannteste amerikanischen Aktienindex über fünf Prozent höher bei 29.832 Punkten taxiert. Seine bisherige Bestmarke aus dem Februar - vor dem weltweiten Ausbruch der Corona-Pandemie - liegt bei 29.568 Punkten.

Erstmals gibt es zu einem für Europa maßgeblichen Corona-Impfstoff Zwischenergebnisse aus der für eine Zulassung entscheidenden Studienphase. Das Mainzer Unternehmen Biontech und der US-Pharmariese Pfizer teilten mit, ihr Impfstoff biete einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor der Krankheit Covid-19. Schwere Nebenwirkungen seien nicht registriert worden. Beide Unternehmen wollten voraussichtlich ab der kommenden Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen. Unabhängige Experten zeigten sich beeindruckt.

Die an der US-Technologiebörse Nasdaq gelisteten Biontech-Papiere sprangen im vorbörslichen US-Handel um knapp 27 Prozent nach oben. Die Pfizer-Aktien gewannen fast 16 Prozent. Auch Aktien von Fluggesellschaften legten stark zu. So schossen American Airlines, United Airlines und Delta Air Lines um bis zu 25 Prozent hoch.

Bei McDonald's konnten sich die Aktionäre nach Geschäftszahlen immerhin über ein Kursplus von nahezu fünf Prozent freuen. Der Fastfood-Riese berichtete für das dritte Quartal im Vergleich zu den drei Monaten davor eine deutliche Erholung. Der bereinigte Gewinn je Aktie nahm um fünf Prozent zu und lag damit über den Erwartungen der Analysten.

Covid-geprügelte Branchen jubeln, Aktien klettern

Branchen wie Luftfahrt, Tourismus und Gastronomie können durch neue Hoffnung auf einen bald zur Verfügung stehenden wirksamen Corona-Impfstoff jubeln. Ablesbar ist dies an den weltweiten Kurssprüngen von Aktien "reisenaher" und konjunkturaffiner Unternehmen - an der Wiener Börse legten die Titel des Caterers Do&Co und des Flughafen Wien enorm zu. International war die Euphorie nicht einzubremsen, die durch den Wahlsieg von Joe Biden in den USA noch zusätzlich beflügelt wurde.

Als erste westliche Hersteller haben die deutsche BioNTech und der Pharmakonzern Pfizer am Montag vielversprechende Ergebnisse einer für die Zulassung entscheidenden Studie veröffentlicht. Demnach bietet ihr Impfstoff einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19. Schwere Nebenwirkungen seien bisher nicht registriert worden, hieß es. Die beiden Unternehmen wollen voraussichtlich ab kommender Woche die Zulassung bei der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragen. Die Aktien von BioNTech und Pfizer lagen am Nachmittag kurz nach US-Börsenstart mit 19 bzw. 12 Prozent im Plus. Auch die US-Flugaktien startet kräftig: American Airlines mit +22 Prozent, United mit +24 Prozent, Delta mit +20 Prozent.

Caterer und Kinos

Die Aktien des österreichischen Caterers Do&Co schossen am Montagnachmittag an der Wiener Börse zunächst um mehr als 38 Prozent nach oben, eine Stunde später war davon noch ein Anstieg von 34 Prozent übrig. Der Wiener Leitindex ATX stand zu dem Zeitpunkt mit 8,2 Prozent im Plus. OMV waren 13 Prozent fester, ebenso Schoeller Bleckmann Oilfield. Die derzeit nicht im ATX vertretenen Aktien der Flughafen Wien AG hielten mit einem Plus von 18,7 Prozent ihr höheres Niveau.

"Das ist die Erfolgsmeldung, auf die die Börsen sehnsüchtig gewartet haben", sagte Timo Emden, Analyst bei Emden Research. "Das erste Mal ist nun Licht am Ende des Tunnels sichtbar", sagte Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst beim Brokerhaus AxiTrader. Der Frankfurter DAX sprang zu Mittag innerhalb weniger Minuten um 6,5 Prozent auf 13.297 Punkte - der größte Kurssprung seit März. Der EuroStoxx50 schnellte um 7,4 Prozent auf 3.439 Zähler in die Höhe. "Die Nachricht zu dem Pfizer-Impfstoff bringt uns einen Schritt näher zu einem normalen Leben", sagte Naeem Aslam, Chef-Marktanalyst beim Brokerhaus Avatrade.

"Es gibt keine Zweifel daran, dass wir weitere gute Nachrichten bis zum Jahresende bekommen", meinte Aslan. Ein Impfstoff gilt als Hoffnungsträger, um die Corona-Pandemie zu überwinden, die bislang weltweit mehr als eine Million Menschen das Leben gekostet, die Wirtschaft zum Einbruch gebracht und das Leben von Milliarden Menschen auf den Kopf gestellt hat.

"Gesundheitsexperten werden uns daran erinnern, dass noch ein weiter Weg mit vielen Herausforderungen vor uns liegt", sagte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. "Aber es herrscht enormer Optimismus heute - Licht am Ende des Tunnels. Hoffen wir bloß, dass uns die Impf-Verweigerer keinen Strich durch die Rechnung machen."

Auch der Sieg von Joe Biden bei der Präsidentenwahl in den USA sorgte für gute Stimmung am Markt. "Für Anleger bedeutet Joe Biden weniger Unsicherheit, weniger außenpolitische Turbulenzen und die Rücknahme einiger sinnloser Gesetze", sagte AvaTrade-Experte Aslam. Außerdem trauten sie dem als Brückenbauer bekannten ehemaligen US-Vizepräsidenten zu, einen Kompromiss im Streit um das ersehnte neue zusätzliche Hilfspaket zur Abfederung der Coronavirus-Krise auszuhandeln.

Gold verbilligte sich dagegen binnen kurzer Zeit um 2,6 Prozent auf 1901,70 Dollar je Feinunze (31 Gramm). Gold bleibe für Anleger aber weiter attraktiv, da die Zinsen auf absehbare Zukunft niedrig bis negativ bleiben würden, betonte der Rohstoff-Experte Alexander Zumpfe vom Edelmetallhändler Heraeu.

Groß war die Erleichterung über die Impfstoff-Daten bei den Tourismuswerten: Der Branchenindex legte bis zum frühen Nachmittag über 10 Prozent zu und schaffte damit den größten Sprung seit der ersten Corona-Welle im März. Aktien der Lufthansa verteuerten sich um mehr als ein Drittel, die der British-Airways-Mutter IAG um gut zwei Fünftel - beide steuerten auf ihren bisher besten Handelstag zu. Auch die Papiere des deutschen Flughafenbetreibers Fraport nahmen mit einem Plus von mehr als 18 Prozent Kurs auf einen Rekord-Tagesgewinn. Die Reisebranche ist von die Pandemie massiv beeinträchtigt, der Flugverkehr ist zeitweise fast ganz zum Erliegen gekommen. Die Hoffnung, dass mit einem Impfstoff Auslandsreisen wieder möglich sind, trieb auch den Ölpreis in die Höhe. Ein Barrel (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 9,3 Prozent auf 43,10 Dollar - dies trieb wiederum Aktien der Ölindustrie wie die OMV oder SBO an.

Die Aussicht auf Konzerte und andere Großveranstaltungen ließ in Frankfurt die Papiere des deutschen Veranstalters und Ticketvermarkters CTS Eventim - Mutter von oeticket und Barracuda in Österreich - um ein Drittel nach oben schnellen. "Was wir an den Börsen jetzt sehen, sind umfangreiche Umschichtungen raus aus Tech-Aktien und rein in Aktien der Old Economy und Value-Aktien", sagte CMC-Experte Stanzl. Abwärts ging es für Aktien, die von Corona-Einschränkungen profitieren. Die Papiere des Lieferdienstes Delivery Hero gaben 6,5 Prozent nach, die des Kochboxen-Anbieters Hellofresh 4,7 Prozent.

Der Dow Jones Industrial kletterte nach Handelsstart um 4,5 Prozent auf 29.608 Punkte und verpasste die Marke von 30.000 Zählern nur knapp. Vor dem regulären Handel war der Dow über 30.000 Punkten erwartet worden. Der S&P 500 stieg um 3,2 Prozent auf 3.622 Punkte. Der Technologieindex Nasdaq 100 blieb zurück und lag mit 0,14 Prozent im Minus bei 12.074 Zählern.

Die Hoffnung auf einen Corona-Impfstoff weckt bei den Aktionären der Kinobetreiber die Lebensgeister. Die Aktien der weltweit führenden Kinokette AMC schnellen um zwei Drittel nach oben, die Papiere von Cineworld schaffen ein Plus von fast 60 Prozent. Die Kinobetreiber leiden darunter, dass viele Verbraucher in der Pandemie Filme lieber im heimischen Wohnzimmer ansehen und sie zudem nur einen Teil der Sitze besetzen dürfen, um Abstandsregeln einzuhalten. Cineworld hat seine Kinos in den USA und Großbritannien ganz geschlossen, AMC hat nur einen Teil offen. Dazu kommt, dass viele der großen Film-Studios Premieren ausgesetzt haben. So soll unter anderem der neueste James-Bond-Film "No time to die" erst im Frühjahr 2021 damit ein Jahr später als ursprünglich geplant in die Kinos kommen. (apa/dpa/reuters)